Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

Page: 350
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1916/0396
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
350

WALTHER WREDE

jene noch zeigt, sondern sind entwickelter. Vor allem ist das
Profil der menschlichen Köpfe ein ganz anderes: es zeigt die
im ganzen schwarzfigurigen Stil herrschenden stark vorsprin-
genden Nasen, die freilich noch für Euthymides und Phintias
charakteristisch sind. Und in die Sphäre jener beiden Meister
weist auch der Mann in Barbarentracht am linken Ende des
Bildes. Er ist wie ausgeschnitten aus Vasenbildern des euthy-
mideischen Kreises1. — Die in zwei umgrenzte Felder zerlegte
Bauchmuskulatur des Pferdführenden ist eine Errungenschaft
der rotfigurigen Technik, aber die Art, wie der Bauch im reinen
Profil unter die von vorn gesehene Brust angesetzt ist, bedeutet
ein Hängen an schwarzfigurigem Archaismus: die rotfigurigen
Meister haben bei ähnlichen Motiven von Anfang an versucht,
eine Drehung innerhalb der Bauchmuskulatur anzubringen2;
für das völlige Zusammenfallen der Bauchmittellinie mit dem
Außenkontur von der Brustmuskelgrenze an bei gedrehtem
Körper kenne ich in rotfiguriger Malerei (soweit sie Einzelheiten
der Bauchmuskulatur gibt) keine Analogie. — Wenn man will,
mag man sogar in der Kompositionsart, die einen so aus-
gebreiteten Körper zwischen Profile stellt, die Bildtendenz der
euthymideischen Dreifigurenszenen wiedererkennen. — Der
Mantelwurf des wagenbesteigenden Alten hält an der alten roten
Streifung fest, geht aber im übrigen gut mit dem der Berliner
Parallelfigur zusammen. — Der Meister der Madrider Vase dürfte
auch die Oxforder Amphora (163, Taf. XXXIII) bemalt haben.
Beiden Bildern ist das Sprengen des Bildfeldes gemeinsam,
Herakles entspricht durchaus dem Pferdführenden des Gegen-
stücks, viele Details der Köpfe und Pferde (Übergang von
Hinterhand zur Bauchlinie, breit hängende Schleife des Beipferd-
geschirrs, Maulkörbe u. a.) kommen hinzu. — Der Amazonen-
aufbruch 151 (Taf. XXX) steht diesen beiden Hydrienbildern
ebenfalls nicht fern.
1 Euthymides: Furtw.-Reichh. 81. Kleophrades (s. Beazley, JHS. XXX
1910,40 und Att. Vasenm. 69, 1): Furtw.-Reichh. 103, mit der gleichen Hand-
bewegung wie auf der Madrider Hydria; Brit. Mus. E 254 und 255, Hoppin,
Euthymides pl. III u. VI, Euthym. and his Fellows, pl. X (vgl. Beazley,
Att. Vasenm. 65, 1 u. 2). Auch noch beim ‘Eucharidesmeister’: BSA. XVIII
1911/12 pl. XV (vgl. Beazley, a. a. O. 95, 20).
2 Vgl. v. Lücken, AM. XLIV 1919, 142f.
loading ...