Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Brand und Wiederaufbau des alten Burgtempels

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wenn grade er nicht in dauerhafter Form der Nachwelt hätte überliefert
sein sollen. Las man in diesem jedem Athener auch später gewiss be-
kannten und geläufigen Psephisma jene feierliche Wendung, welche der
Athena selbst, an dem Platze, wo sie gegenwärtig war, gewissermaßen
berufen und verpflichtet, den Anliegen ihrer Schutzbefohlenen ihr Ohr
zu leihen, ihre Obhutspflicht für die Stadt täglich wieder vor Augen führte,
so versteht man, wie die Worte sich in Vorstellung und Erinnerung auch
der späteren Geschlechter festsetzen, ja etwas wie eine rechtliche Be-
deutung erhalten mußten.

Schede hat Ath. Mitt. XLIV 1919, 2—3 einen voreuklidischen Grenz-
stein aus Samos erstmalig veröffentlicht und zusammen mit einem schon
früher bekannten (CIG. 2246) besprochen. Der neue Stein bezeichnet sich
als Ao]()og T£ße[vog W] />f v aiag 'A Tevöv fi£dsöoeg, der frühere
jüngere aber doch wohl auch noch eben voreuklidische, in der Nähe des
Heraiongefundene,besagt: öqos t£[i£veos Ad-rjväs'A$i]vüv [ieöeö-
orjs, so der neue Stein, in attischer Schreibweise, jedenfalls auf Geheiß
des athenischen Staats, wenn auch von einem samischen Steinmetz (f\)
eingehauen. Die durch mehrere Jahrzehnte getrennte gleiche Formulie-
rung beider Steine beweist den bindenden gradezu rechtlichen Charakter
derselben. Angesichts eines anderen gleichfalls noch dem fünften Jahr-
hundert angehörigen Grenzsteins Jiöqos %£fdvos önovvfiov A&£vfj(h:v,
ebenfalls in oder nahe der alten Stadt gefunden (C. Curtius, Inschr.
u. Stud. z. Gesch. v. Samos, Lübeck 1877, 9; IGA. 8) mag man sich in
derTat Boeckh’s Hinweises auf Thuk. III 50 erinnern (s. auch Kirchhoff,
Abh. Berl. Akad. 1876, 52, 67), wonach vom Gesamtbetrag der für die
lesbischen Kleruchen durch Athen bestimmten Ackerlose ein Zehntel
‘den Göttern’ vorbehalten wurde. Schede verweist auch auf Belochs
Vermutung Rh. Mus. XXXIX 1884, 36—37 (s. auch Beloch, Griech.
Gesch. II2 I, 197, 1), daß eine Anzahl Domänen auf Samos für den
athenischen Staat und die attischen Götter eingezogen worden sein
möchten. Da sich aus IG. I 177 zu ergeben scheint, daß nicht nur
Bundesgelder, sondern auch bedeutende pekuniäre Aufwendungen der
Athener gegen Samos nötig geworden waren, hatten die xafiiai vfjs Ü£ov
die Pflicht, auf Entschädigungen der Athena nicht nur als Bundesgöttin,
sondern als besonderer Hilfs- und Schutzgöttin Athens, als der Athjvä
’A&rjvöjv fi£Ö£ovoa, zu bestehen. Sie also, d. h. die Stadt Athen wurde
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