Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Das Dionysion in den Limnai und das Lenaion

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beziehen können, nicht aber auf den Priester oder die Priesterin und auf
die übrige Dienerschaft des Gottes. Fiir das ganze Volk wurde der Bezirk
nur einmal im Jahre, nämlich am Choenfeste geöffnet. Die zum Bezirk
gehörigen Personen mußten dagegen täglich das- Heiligtum betreten
können, um ihren Dienst dort zu verrichten und das Heiligtum in Ordnung
zu halten. Besonders nach einem starken Unwetter mußte doch ein so
großer und tief liegender Bezirk unbedingt betreten werden können.
Dazu kommt aber noch, daß Demosthenes uns ausdrücklich sagt; daß
es die nolloi, also die Menge sei, für die der Bezirk gewöhnlich geschlossen
bleibe.

Ich muß, damit jeder Leser selbst urteilen kann, die ganze Stelle
nochmals im Wortlaut abdrucken: xal xomov t'ov vöfiov (nämlich den
Eid der Gerären) yQaipavizs iv Gzrjh] faöivtj eavrjoav iv tcq leQco tov
/hovvoov naQa ibv p'coiibv iv Aiuvais. xai avvr\ fj OTTjfa] etl xai
vvv eottjkev dfivÖQOis yQCiuuaoiv diTiy.ols (hj'/.ovoa tci yeyQauiiivcc.
xai chd vama iv toj aQyaiOTdTop ieqco tov Aiovvoov xcu äyiOTdTQ)
ev Aifivais EGTijoav, iva firj n o lloi Eiöcooi vä yeyQafifxiva, äna'E,
yäQ tov eviavTOv ävoiyEiai, vrj öojöeydvrj tov ‘AviiEOvrjqlo)vos firjvös
(Ps. Demosthenes, gegen Neära, 76).

Die marmorne Stele mit dem Eid der Gerären, der Gehilfinnen der
Priesterin, war also, wie Demosthenes sagt, in dem stets geschlossenen
Bezirk aufgestellt, damit die nolloi den Inhalt nicht sahen und lasen;
denn, so fügt er hinzu, nur an einem Tage des Jahres wurde der Bezirk
geöffnet. Wie Frickenhaus aus diesen Worten folgern kann, daß der
Bezirk auch für die Priesterin und für die Kelterer des Weines stets ge-
schlossen war, und v/ie er es wagt, auf einer solchen Erklärung seine neue,
meine Ansicht umstürzende Theorie aufzubauen, ist mir ein Rätsel.
Alle die oben angeführten Tatsachen, die mich zur Benennung des Bezirks
voll berechtigen, haben also auf Frickenhaus keinen Eindruck gemacht,
nicht einmal der merkwürdige Umstand, daß am Altar unseres Bezirks
tatsächlich die Einarbeitung für zwei Marmorplatten, wie sie für Inschrift-
stelen üblich waren, gefunden sind, während im ganzen übrigen Bezirk
kein einziger anderer Grundstein für eine Inschrift zutage gekommen ist.
Für mich war und ist gerade diese Tatsache eine sehr willkommene Be-
stätigung dafiir, daß ich das wirkliche Dionysion des Demosthenes und
Thukydides gefunden habe.
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