Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Studien zur attischen Chronologie der Kaiserzeit

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Stadt Tlos gesetzt wurde, als öixaioöÖTtig bezeichnet, s. CIG. 4236.
Aber volle Gleichheit besteht doch auch hierbei nicht; denn Britannien
und Lykien waren kaiserliche Provinzen, Achaia befand sich aber in der
Gewalt des Senats. Es bleibt daher gar nichts anderes übrig, als anzu-
nehmen, daß Iuncus in außerordentlicher Mission nach Griechenlandgesandt
wurde, und daß ihm, wie Mommsen 1. 1. II 858 A. 2, Dittenberger OGI.
857 Anm. 4 annahmen, die ganze Provinz einschließlich der freien Städte
unterstanden hat. Ob nun Iuncus diesen Vertrauensposten als Praetorier
oder erst als Consular erhalten hat, läßt sich nicht sagen, da der Fall
zweifellos als eine Anotnalie anzusehen ist.

Um die Zeit von Iuncus’ griechischer Tätigkeit festzustellen, müssen
wir von der attischen Inschrift IG. III 70 ausgehen. Sie ist leider sehr
verstümmelt, aber soviel hatte Dittenberger, auf Köhlers Abschrift ge-
stützt, doch feststellen können, daß man sagen kann: Iuncus, [5 dixcuo-
dörrßgl) [i]l£t]cc totv gvv£Öq£v6vto)v, ist im 6. Jahre einer Ära, im Ar-
chontat des [Aelius] Sulla, mit einer Frage befaßt worden, die ein Heiligtum
anging. Dittenberger freilich wollte diesen Iuncus von dem öixaioöÖTijL;
unterschieden wissen. Das hat seine großen Bedenken, denn der Name ist
selten, und es wäre überaus merkwürdig, wenn im Verlauf zweier Jahr-
zehnte zwei verschiedene Träger dieses Namens in Achaia tätig gewesen
wären. In der Tat ist die Rücksicht auf das Archontat des Sulla kein
Grund, weshalb wir mit Dittenberger zwei Aelii Iunci annehmen mtißten.
Für seine Entscheidung war maßgebend, daß Leonides, Herodis f., Chol-
lides, im Jahre des Sulla Ephebe war (III 1113) und im Jahre des Phi-
listeides als Antikosmet erscheint (III 1128). Da Philisteides erst An-
fang der 60er Jahre zum Archontat gelangte, schloß Dittenberger, daß
Sulla frühestens urn 141/2 die gleiche Stellung bekleidet haben könne.
Indem er nun das 6. Jahr auf die Regierung des Antoninus Pius bezog,
kam er dazu, ihn auf 143/4 zufixieren. Allein jeder Leser empfindet sofort,
wie unsicher die Grundlage ist, auf der er hier baute. Wir kennen die
Epoche des Leonides Herodis heute besser. Im Katalog IG. III 1298 er-
scheint Leonides Herodis f. mit dem lebenslänglichen Apollopriester Muso-
nius Rufus. Es wird unten gezeigt werden, daß dieser Apollopriester

V Dittenberger ergänzte [azQarriyö]s. Dabei blieb eine Lücke von zwei
Stellen. Überdies ist der Titel aTQarrjyös für einen römischen Provinzial-
beamten in der Kaiserzeit nicht am Platze.
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