Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Walther Kolbe

wähnen, noch vor dem Sieg über die Parther verfaßt sind. Daß dem
wirklich so war, wird weiter dadurch bewiesen, daß den Kaisern —
im Gegensatz zu den Inschriften 1030 und 1132 — die Siegerbeinamen
nicht gegeben werden. Mithin ist der Sommer 166 terminus ante quetn
fiir n. 1128 (Philivteides) und 1131. Damit ist die Folgerung gegeben, daß
Graindors Ansatz, (DikiorEidt]g gehöre ins Jahr 166/7, unmöglich richtig
sein kann. So ist die vierte der oben aufgestellten Möglichkeiten besei-
tigt: 139/40 ist nicht das 1. Jahr des Abaskantos gewesen.

b oder c ? In dem Streit zwischen Neubauer (137/8) und Dittenberger
(138/9) verhilft uns nun das Praeskript aus Sextus’ Archontat III 1132
zu einem festen Ergebnis. Es lautet: 'Ayattfi tv/ji | 7:' n l vixy tojv
,‘lTioiai ojp AvTOXQaTÖQOJv M. AvQrfüov y.al A. BrjQov | SeßaoTOJv
AQUEviay.ojv TlaQ&ixojv ^ieyioTOJv eni äQ/oviog ^e^tov. Daß der
Sieg bereits erfochten ist, zeigt die Titulatur Parthici Maximi. Es ist
daher zu schließen, daß die Epheben mit deutlicher Anspielung auf den
eben erfochtenen Sieg im Osten die Wendung etii vixrj gebrauchen -
auf Grund oder bei Gelegenheit des Sieges1). Wann aber — so fragen
wir weiter — waren die Epheben des Sextus-Archontates in der Lage,
auf ihr Denkmal die stolzen Worte zu setzen etci vixt] tojv Avtoxqutöqojv
und den Kaisern die Siegerbeinamen zu geben ? Zweifellos im Spät-
sommer 166. Damit ist 2e$tos <I>a'/.r]QEvg auf 165/6 festgelegt2).

Ziehen wir jetzt unsere beiden Tabellen zu Rate, so ergibt sich ein
Doppeltes: 1) Sextus ging Mamertinus voraus (Tab. I). 2) Für Tineius
kann 170/1 nicht mehr in Betracht kommen, d. h. 138/9 nicht als 1. Jahr des
Abaskantos. Denn Tabelle II zeigt, daß in diesem Falle Philisteides das
Jahr 165/6 gehören wiirde, das in Wahrheit durch Sextus besetzt ist.

a oder b ? So hat Neubauer gegen Dittenberger Recht behalten.
Aber noch immer bleibt die Wahl zwischen 136/7 und 137/8. Alle neueren
Forscher stimmten Neubauer darin zu, daß sie das friihere Datum ab-

1) Vgl. Kühner-Gerth, Ausführl. Gramm. der griech. Sprache II, 1, 501c:
inl c. dat. wird gebraucht ‘zur Angabe der Grundlage, auf der etwas ge-
schieht’. S. auch Neubauer, Hermes XI 1870, 393, Graindor, BCH. 1915, 389.
Kirchner hatte die Freundlichkeit, mir seine Meinung über IG. III 1132 mit-
zuteilen. Er schreibt: ‘In IG. III 1132 wiirde ich, ohne irgendwie befangen
zu sein, inl vix?] auf einen bestimmten Sieg beziehen’.

2) Dieses Resuitat hatte ich bereits gewonnen, ehe mir Graindors Aus-
führungen a. a. O. 1915, 389 f. zu Händen kamen.
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