Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Andreas Rumpf

Würzburger Hauptstückes (7) wiederkehren, glaube ich getrost in dem
Skyphos aus Nola ein weiteres Werk des Phineusmalers zu erkennen.

D i e Inschriften: Die Übereinstimmung erstreckt sich sogar
auf die Inschriften. In der archaisch griechischen, auch in der chalkidi-
schen ‘) Vasenmalerei ist es bekanntlich Regel, daß die Namensbei-
schriften vom Kopf der betreffenden Figur ausgehen, und dementsprechend
rechts- oder linksläufig sind. Nun hat schon v. Duhn in der Heidelberger
Festschr. z. 36. Philol.-Verslg. Karlsruhe 1882, 113 bemerkt, daß die
Beischriften der Phineusschale ohne Riicksicht auf ihre Stellung zu dem
Namensträger durchgängig nach rechts laufen, der gleiche Grundsatz ist
auf dem Kopenhagener Skyphos durchgeführt. Aber das auf ihr ange-
wandteAlphabet zwangja vermeintlich dazu, diePhineusschalevonderchal-
kidischen Gatturrg zu trennen. Die untereinander abweichenden Lesungen
beruhten auf dem traurigen Zustand der vielfach roh geflickten und stark
übermalten, dann ungeschickt gereinigten Schale. Sie brauchen jetzt nicht
wiederholt zu werden, nachdem das Gefäß im vergangenen Herbst im
Münchner Museum antiker Kleinkunst grtindlich ausgelaugt worden ist,
wodurch alle Reste moderner Ausbesserung und Übermalung schwanden2).
Daß diese Behandlung nichts von den antiken Spuren, auch nichts von
den meist nur noch im schwachen Relief des Tongrundes erhaltenen Buch-
stabenresten beschädigte, sieht man am besten daran, daß der Name des
Dionysos, von dem Böhlau, Bulle, Furtwängler und Reichhold nur noch
f-O- lesen konnten, nunmehr wieder vollständig unter der Bemalung
hervorkam, genau so, wie ihn die Tafel Monumenti d. I. X 8 und die
Pause, die ihr zugrunde liegt, geben. Hat hier die Reinigung einen Zu-
wachs an Buchstaben gebracht, so hat sie die anderen Beischriften end-
gültig von den modernen Zutaten befreit. Von dem Namen der Harpyien
ist nur A geblieben; den des Kalais gibt Abb. 18a, den des Zetes 18b,
der ‘Horen’ 18c, vom Phineus blieb allein das <J). Vom Namen der Frau
zu Häupten des Phineus endlich ist nur ein schwaches Relief des ersten

L Die einzige Ausnahme im älter chalkidischen Alphabet s. u. S. 176.

2) Herrn Prof. Sieveking dankt der Verfasser die einzelnen Scherben der
Schaie vor der neuen Zusammensetzung eingehend prüfen zu dürfen, wodurch
die Untersuchung bequemer und vollständiger, als an der zusammengesetzten
Vase möglich war. Herr Prof. Bulle hatte die Liebenswiirdigkeit die Lesungen
des Verfassers gemeinsam mit ihm an der neu zusammengesetzten Vase im
Friihjahr 1922 nachzuprüfen.
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