Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Andreas Rumpf

Typus auf den anderen, wie es z. B. auch das vierspeichige Rad an dem
sonst rein östlichen Wagen einer klazomenischen Vase (Ant. Dkm. II 55)
darstellt, dürfte kaum nur als künstlerische Entlehnung aufgefaßt werden.
Das Vorkommen sechsspeichiger Räder an ‘westlichen’ Wagen auf dem
der Phineusvase etwa gleichzeitigen Siphnierfries (Fouilles de Delphes IV,
Taf. 22—24) legt die Vermutung nahe, daß damals diese Wagenform
auf den Inseln tatsächlich im Gebrauch war.

Die Prüfung der Einzelheiten im bildlichen Schmuck der Gefäße der
Phineusgruppe im Verhältnis zu den älter chalkidischen Vasen ergibt so,
daß sie bei engsten Beziehungen Fortschritte zeigen, die sich bei näherer
Untersuchung ausnahmslos als zielbewußte Weiterbildung schon vor-
handener Ansätze erweisen. Einige von diesen, wie die durchgängige
Einführung des ionischen Chitons, die eingeritzten Kreuze als Gewand-
muster, das Durchzeichnen des Rückenkonturs, das achtspeichige Wagen-
rad kommen sicher aus dem Osten. Für die vorliegende Untersuchung
kommt es weniger darauf an, woher diese Einflüsse stammen, als darauf,
wo die Grundlage zu Hause ist, der die östlichen Elemente eingegliedert
sind. Die kleinasiatisch-schwarzfigurigen Vasen — am vollständigsten
sind uns hier die klazomenischen kenntlich — kennzeichnet eine weiche
Führung der Umrisse ohne viel Sinn für den körperlichen Aufbau der
Figuren oder den Zusammenhalt der Komposition, ebenso fehlt der Gefäß-
form und ihrer Einteilung die im Mutterland vorhandene straffe Gliede-
rung. Es erscheint ausgeschlossen, daß lediglich von solchen Vorbildern
beeinflußt ein Maler einer unbedeutenden Lokalgattung, wie wir sie in
Boiotien 4), Eretria * 2), Keos 3 4) zu kennen glauben, und deren wir wohl
nrehrere im übrigen Griechenland voraussetzen inüssen, den unter allen
griechischen Vasenbildern auffallenden, charaktervollen Stil des Phineus-
malers entwickelt hätte. Auch bevor die ostionischen Buchstabenformen
als moderne Zutaten erkannt waren, konnte man sich den Schmuck der
Phineusschale nur so erklären, daß man sie unter starkem westlichen
Einfluß entstanden dachte4). Heute klärt sich der Fall leichter und
natürlicher, da die Zugehörigkeit des Adrestosskyphos mit dem V für A

ü B. C. H. XXI 1897, 444 ff. (Couve).

2) Melanges Holleaux 69 ff. (Dugas).

3) Louvre E 732, Mon. d. I. VI/VII, 78; Pottier Album II Taf. 54 (dazu
FR. I 222 Anm. 2).

4) Jahrbuch XI 1896, 268 (Studniczka).
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