Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Andreas Rumpf

Teil entarteten Stücken wohl bis zum Ende der Fabrik. Die letzte Phase
der chalkidischen Figurenmalerei stellen die Werke unseres Meisters dar.
Ihre Zfeit wird bestimmt durch den Wechsel der Frauentracht und durch
die Einwirkung von Form und Dekoration der Augenschalen auf Attika.
Langlotz x) hat an Händ des Befundes der attischen Vasenbilder und der
gleichzeitigen Skulpturen den Trachtwechsel für Athen zwischen 540 und
530 festgelegt. In Chalkis darf man bei den starken östlichen Einfltissen
auf den Stil des Phineusmalers den Zeitpunkt eher in die erste Hälfte
des Jahrzehnts rücken. Die Übernahme der Augenschale durch Exekias
(FR. 42) und Amasis (A. J. A. 1907, 159) legt den Anfang ihrer Her-
stellung in Chalkis um 540 fest. Wie lange der Maler wirkte, ist natürlich
schwer auszumachen. Die Angabe des Flügelgelenks wie beim aus-
gestreckten Flügel der Sphingen auf dem Kopenhagener Adrestosnapf
und der Hephaistosamphora (23) tritt attisch zuerst bei Oltos 1 2) auf.
Dadurch würde die Tätigkeit des Phineusmalers mindestens bis in das
drittletzte Jahrzehnt des VI. Jahrhunderts verlängert. Das Ende der
chalkidischen Töpferei dürfte die Unterwerfung durch Athen 506 gebracht
haben, denn es wäre unwahrscheinlich, wenn die Athener die Möglichkeit,
einen Konkurrenten ihrer Hauptausfuhrwaren vom Markt auszuschalten,
ungeniitzt gelassen hätten.

Leipzig. A n d r e a s R u m p f.

N a chtrag.

Der Liebenswürdigkeit von Herrn Dr. K. Friis Johansen ver-
dankt der Verfasser Photographien des Adrestosskyphos im jetzigen,
gereinigten Zustand, die er kurz vor Abschluß des Druckes er-
hielt. Sie lassen manches anders erscheinen, als die hier dank dem
Entgegenkommen des Weidmannschen Verlags als Abb. 17 wiederholte
Zeichnung aus Roberts Oidipus. Verschwunden ist die unwahrschein
liche Bildung des Oberleibs und der Falten darauf bei der Frau zu
Füßen der Kline, sie sassen auf einer ergänzten Lücke. Weiter ver-
schwand die weiße Körperfarbe des Adrestos — bei ihm trat das

1) Zur Zeitbestimmung der strengrotfig. Vasenmalerei, 28 ff.

2) Z. B. beim Eros der Schale in Palermo, Pollak, Zwei Vasen aus der
Werkstatt Hierons, 33.
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