Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Alfred Körte

thong ov, wie gelegentlich auch auf Steinen x). Dies hybride ov wird aber
einmal (18) im Namen Jeiviov bereits durch OY wiedergegeben, und
das verdient bei der Seltenheit der Beispiele aus älterer Zeit immerhin
Beachtung 2).

Daß im privaten Gebrauch das jonische Alphabet lange vor seiner
staatlichen Annahme eingebürgert war, haben wir ja längst gewußt, aber
bei der Schwierigkeit, private Inschriften genau zu datieren, ist es doch
von großein Werte, daß der Scherbenfund uns für ein bestimmtes Jahr
zahlreiche Belege für den Kampf der alten und neuen Schreibweise liefert.
Der Kampf war im Jahre 443 nüch keineswegs entschieden, diese Tatsache
ist fiir die Frage der Umschrift älterer Autoren aus der attischen in die
jonische Orthographie von höchster Wichtigkeit (s. R. Herzog, Die Um-
schrift der älteren griech. Lit. in das jon. Alphab., Basel 1912). Daß von
den Tragikern wenigstens Aischylos noch in attischer Orthographie ge-
schrieben hat, wird man jetzt für sicher halten diirfen; bekanntlich hat
das v. Wilamowitz friiher (Herakles I1, 126, 5) entschieden bestritten
und scheint es noch immer zu bezweifeln (Aesch. praef. XXXI). Lehr-
reich scheint mir auch, daß die private Schreibweise der staatlichen
nicht in allen Stücken voraneilt, sondern mitunter an älteren Formen
festhält, eine Steininschrift mit dreistrichigem Sigma ist m. W. aus dem
Jahre 443 nicht nachzuweisen, aber acht attische Bürger verwenden es
damals noch auf ihren Scherben.

Ein gewisses staatsrechtliches Interesse hat noch die Art der Be-
nennung. Brueckner (S. 22) hat bereits hervorgehoben, daß offenbar eine
doppelte Bezeichnung gefordert wurde, entweder Name und Vatersname,
oder Name und Demotikon, keine der Scherben, deren Erhaltungszustand
ein Urteil gestatten, beschränkt sich auf den nackten Namen. Ander-
seits ist die später übliche Benennung mit Nainen, Vatersnamen und
Demotikon recht selten, im Scherbenfund von 443 kommt sie nur viermal
vor (18, 20, 34, 41) 3), unter den vereinzelten Ostraka früherer Scherben-

9 S. Kretschmer, Die griech. Vaseninschriften 108.

9 Friihe Beispiele von Vasen, sogar schwarzfigurigen, gibt Kretschmer
S. 108 eine ganze Anzahl, unter den Steinen steht ganz vereinzelt eine Inschrift
aus Acharnai IG I 360, die nocli das Tlieta mit Kreuz hat, dann folgt, in langem
Abstand, der Beschluß i'tber die Kolonie in Brea SIG 3 67 Z. 11, der ziemlich
gleichzeitig mit unserem Scherbenfund ist.

3) Statt Nr. 41 gibt Brueckner a. a. O. versehentlich Nr. 39 an.
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