Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Wilhelm Dürpfeld

beim Altar wurde abgebrochen, um einen großen ebenen Platz vor dem
Tempel herstellen zu können, der etwas höher lag als die Orchestra mit
ihren Altären, aber etwas tiefer als der Tempel und die Schlafhalle.
Infolge dessen wurde über den vielen Altären in einer etwas höheren Lage
ein großer, mehreren Göttern gemeinsamer Altar mit mehreren Opfer-
plätzen errichtet, wie ihn Pausanias beschreibt. Ferner erhielt der Tempel
eine neue, tiefer liegende Säulenvorhalle und auch im Inneren einen etwas
niedrigeren Fußboden. Weiter wurde die große Schlafhalle entfernt und ein
tiefer liegender Platz für Weihegaben und Standbilder hergestellt. Zum
Ersatz für Theater und Flalle wurde endlich weiter östlich eine neue
Gruppe beider Bauwerke errichtet, die der von Lykurg in Athen erbauten
oder vollendeten Baugruppe des Dionysos-Theaters und seiner Säulen-
halle ähnlich ist. So entstand durch mehrfache Umbauten der stattliche
Heilbezirk in dem engen Waldtal, wie ihn Pausanias sah und die Gra-
bungen jetzt wieder ans Licht gebracht haben.

Zum Schlusse mag noch erwähnt werden, daß im jüngeren Theater,
dessen besonders gut erhaltenes Skenengebäude mit seinen Weihinschriften
für die Geschichte des griechischen Theaters von besonderer Wichtigkeit
ist, die deutlichen Reste eines älteren, wahrscheinlich hölzernen Pro-
skenions noch zu erkennen sind, das später durch das jetzt vorhandene
marmorne Proskenion mit seinen hölzernen Pinakes ersetzt worden ist.
Auch ließ sich feststellen, daß die ionischen Halbsäulenpfeiler mit ihrem
Gebälk, obwohl letzteres nur nach einer Seite hin ausgearbeitet ist, die
seitlichen Parodos-Tore gebildet haben.

3. E 1 e u s i s.

An einem anderen Orte Attikas, in Eleusis, hat Prof. F. Noack aus
Berlin im vorigen Jahre seine früheren Studien über dieses berühmte
Heiligtum der Demeter und Kore mit Erfolg fortgesetzt. Als provisorischer
Leiter des Deutschen Archäologischen Instituts nach Athen gesandt, hat
er die Gelegenheit wahrgenommen, durch kleine Ausgrabungen und sorg-
fältige Untersuchungen die Geschichte des Heiligtums und seiner Bau-
werke weiter aufzuklären. Das ist ihm in hohem Grade gelungen. Beson-
ders iin Telesterion, dem großen Versammlungsraum der Mysten, hat er
durch Auffindung von bisher übersehenen Säulenspuren den nach der
Zerstörung durch die Perser geplanten, aber wahrscheinlich nicht ganz
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