Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Alte und neue Ausgrabungen in Griechenland

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der Ringhalle, die aus Holz bestanden, im 3. Tempel wieder verwendet
worden sein. Das ist, wie wir sehen werden, fiir die zeitliche Bestimmung
der einzelnen Bauperioden von Wichtigkeit.

Der 3. Tempel hat bekanntlich jetzt steinerne Säulen dorischen Stils
von verschiedenen Abmessungen, verschiedenen Formen, verschiedener
Technik und etwas verschiedenem Material. Im großen Olympia-Werk
(II 36) habe ich den Nachweis gefiihrt, daß diese große Verschiedenheit
sich nur dadurch erklärt, daß der Tempel ursprünglich hölzerne Säulen
hatte, die im Laufe mehrerer Jahrhunderte, wenn sie baufällig geworden
waren, durch Steinsäulen ersetzt worden sind. In meinem Buche Alt-
Olympia, an dem ich arbeite, werde ich nochmals ausführlich hierauf
eingehen, weil ich von technischer Seite Widerspruch gefunden habe.
Hier will ich nur an die wichtige Tatsache erinnern, daß die derselben
Zeit angehörigen Säulen, die unter sich in allem übereinstimmen, nicht
nebeneinander stehen, wie es bei dem später zu besprechenden Tempel
des Apollon in Thermos und beim Tempel G in Selinus de'r Fall ist, sondern
sich ganz unregelmäßig auf die verschiedenen Tempelseiten verteilen.
Das scheint mir nur dadurch erklärbar, daß zu allen Zeiten lediglich
solche Säulen in Stein erneuert wurden, deren Holz faul geworden war.
Die von Furtwängler vorgeschlagene Erklärung (a. a. O. 476), daß man in
Olympia, kurz nachdem man die Holzsäulen im VII. Jahrhundert auf-
gestellt hatte, sich dieser einfachen Säulen geschämt und sie durch Stein-
säulen ersetzt habe, wird jener Tatsache der allmählichen und unregel-
mäßigen Ersetzung in keiner Weise gerecht und ist auch aus anderen
Gründen unannehmbar. Man ist vielmehr in Olympia nachweisbar stolz
auf die alten Holzsäulen gewesen und hat sie so lange als möglich stehen
lassen.

Nun sind die meisten Säulen des Heraions, wie wir besonders aus
den Formen der Kapitelle schließen dürfen, schon in altgriechischer Zeit,
nämlich etwa im VII. und VI. Jahrhundert, in Stein erneuert worden.
Wie viele Jahrhunderte nötig sind, damit dicke Säulen aus EichenhoIz>
wie es die olympischen nach der Überlieferung waren, faul oder sonst bau-
fällig werden, läßt sich nicht genau sagen. Nur ist es nach allen Erfah-
rungen sicher, daß eichene Säulen viele Jahrhunderte gut bleiben. Hatte
doch in Olympia die eine Säule des Heraions, die Pausanias erwähnt,
etwa 800 Jahre länger den Einflüssen des Wetters widerstanden, als die
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