Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Qabricl Welter

war jedoch die Straße zum heiligen Bezirk des Dionysos, von dem das
Theater selbst nur ein Teil war. Die Frage, die sich zuerst stellt, ist also:
wo lag das Propylon des Dionysosbezirks? Eine
literarische Überlieferung erwähnt es: Andokides I 38. Dort sieht Dio-
kleides, als er auf dem Wege nach Laurion am Propylon des Dionysos-
bezirks vorbeikommt, zahlreiche Menschen vom Odeion her in die Or-
chestra herabsteigen. Die zweite Frage ist:wo 1 a g und wie weit
erstreckte sich dasOdeion? Kastriotis hat 1913—17 das
Odeion gefunden, ohne jedoch seine Grenzen bestimmt zu haben. Warum
weist die östliche Seite des Zuschauerraums des Theaters einen recht-
winkligen Einschnitt auf ? Nach den Grabungen von Kastriotis war kein
Zweifel mehr möglich: der Theaterbau nimmt Rücksicht auf ein bestehen-
des Gebäude. Dieses erweist sich als rechteckigen Grundrisses, die Nord-
seite ist ungefähr 40 m, die Ostseite, soweit ausgegraben, 20 m lang. Es
lehnt sich im Norden an den Akropolisabhang an. Im Westen bildet die
Theaterwand aus Breccia die Hintermauerung. Da wo der Bau sich vom
Theater loslöste, entstand eine Lücke zwischen Theaterwand-Hinter-
mauerung und Gebäudewand des Odeions. An dieser Stelle springt die
Kalksteinverkleidung der Theaterwand, die von der Parodos her um die
Ecke biegt, zur Verkleidung dieser Lücke vor. Das Odeion selbst ist eine
inehrschiffige Halle quadratischen Grundrisses, ähnlich dem Telesterion
in Eleusis und dem Thersilion in Megalopolis. Der Mauertechnik nach
ist es hellenistisch, sicherlich der Neubau des Ariobarzanes II. (63—51
v. Chr.). Es stand an der Stelle eines älteren Baus, des perikleischen
Odeions, von dem bisher keine Reste gefunden wurden, auf welches aber
der lykurgische Theatergrundriß Rücksicht genommen und das er mit
dem Theater zu einem Komplex verbunden hat.

Nach der örtlichen Festlegung des Odeions bleibt für das Propylon des
Dionysosbezirks nur eine Strecke von etwa 70 m übrig, innerhalb welcher
es angesetzt werden kann. Und dieseStrecke kann noch verringert werden.
Die Grabungen versuchten, eine alte, von Dörpfeld in seinem Theaterbuch
S. 10 aufgestellte Forderung zu erledigen: den Unterschied des Niveaus
innerhalb und außerhalb des Bezirks festzustellen. Die südliche Grenz-
mauer1) wurde nach der Ostecke zu völlig freigelegt: bei 2,50 m Tiefe

x) Sie besteht aus harten Kalksteinquadern, von denen einige noch Zeichen
früherer Verwendung, z. B. f-4 Klammern, tragen. Wichtig ist ein metopen-
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