Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Ernst Buschor

reicht, wenn er die Mauer rechts in gleicher Weise an das Häuschen an-
geschlossen hätte wie links, dann wäre das Brunnenhaus nur vor eine
durchlaufende Mauer zu stehen gekommen. Gegen diese Lösung spricht
auch, daß auf diese Weise der Giebel eine für seine Zeit unerhörte Bezogen-
heit auf eine Mitte bekäme, und schließlich auch, daß gerade hier die
dritte Wasserträgerin zu stehen kommt, die nach dem vom Dach zu ihrem
Gefäß gefiihrten Bleiverguß (Heberdey S. 25) ihren Platz ziemlich tief
im Relief hatte. So bleibt als einzige Lösung, daß die Mauer erst wieder
rechts von diesem Mädchen begann (wenn sie nicht etwa knickartig um
das Mädchen heruingeführt war). Damit haben wir aber auch sofort für
das Ganze die echte archaische Erzählungsweise, die wir schon kennen
lemten und für einen Teil der Komposition forderten. Das Brunnenhaus
befindet sich auf einmal zwischen den vom Künstler nach vorn geklappten
Mauern, wie das Amphiaraosgespann des korinthischen Kraters zwischen
Haus und Propylon. oder Klitias’ Troilos zwischen Brunnen und Stadttor.
Die Figur, die vor diesem Mauerstück zu ergänzen ist, fällt dann sichtlich
außerhalb des Geheges, sie ist durch Bautn und Mauer gegen Sicht der
Wasserholer gedeckt, wie sie ja auch nicht im gleichen Plan wie die nächst-
benachbarte Figur, die dritte Wasserholerin, sich befindet. Alle Wahr-
scheinlichkeit spricht dafür, daß diese Figur nach links gewendet ist.

Damit sind wir am Ziel. Man sieht, daß diese neue Betrachtung der
Fragmente zu derselben Lösung führt, die schon vom Herausgeber
(Arch. Anzeiger 1901, 101) vorgeschlagen worden ist: der Mann links ist
Troilos mit den Pferden, rechts lauert Achill. In dieser Wiederherstellung
gehen nicht nur alle Einzelheiten dessen, was erhalten und was zu er-
schließen ist, ohne Schwierigkeit auf, wir gewinnen nichf nur eine Kom-
position, die sich zwanglos in den Rahmen dieser Zeit einfügt (Taf. VI1),
sondern auch die gewünschte Sagendarstellung, ja eine der Lieblings-
sagen dieser Zeit.

Man hat nun allerdings an der Form des Brunnenhauses und an der
Peribolosmauer Anstoß genommen, aber ein Blick auf die gleichzeitigen
Troilosbilder und eine Überlegung, was dem Giebelmeister nottat, be-
seitigt diese Einwände. Ausgangspunkt der Troilosdarstellungen war, so
viel wir wissen, die jüngere korinthische Malerei. Auf der Timonidas-
flasche (AM. XXX 1905 Taf. 8) und dem Gefäß Mus. Lavigerie I Taf. 23
begegnet der Hinterhalt, auf einer Züricher Amphora (Bonner Studien
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