Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Ernst ßu.schor

Baum, das etruskische Wandbild zeigt deren mehrere, das Verfolgungs-
bild des Brvgos (Mon. Piot XVI Taf. 15) zweie. Der Schluß ist nicht zu
gewagt, daß es sich um die abgekürzte Darstellung eines Haines handelt,
in dem sich Achilleus versteckt hat. Wenn dieser Hain eine sakrale Be-
deutung gehabt hat, wenn der Brunnen zu einem Heiligtum gehört hat,
so kann die Temenosmauer niemand mehr verwundern. Nun steht auf
dem sehr ausführlichen Bild des Klitias neben dem Brunnenhaus, gleich-
sam als sein Herr und Beschützer, Apollon und sieht entriistet der Ent-
weihung seines Heiligtums zu. und auf einer Reihe von Hinterhalts-
bildern sieht man auf dem Brunnen den heiligen Vogel des Gottes sitzen.
Die Bilder mit der Schlachtung des Troilos, auf denen regelmäßig der
Altar des Apollon erscheint, führen uns also nicht, wie man gemeint hat,
weit weg vom Brunnen an den Endpunkt der Verfolgungsstrecke, sondern
an den selben Ort, den auch die Hinterhaltsbilder andeuten, der ganze
entsetzliche Vorgang findet in der Nähe des Heiligtums statt, hier lauert
Achill seinem Opfer auf, hier erlegt er es, und hier schlachtet er es ab.
Das macht der Meister der prächtigen Peruginer Schale (Hartwig, Meister-
schalen Taf. 58) besonders deutlich, der uns mit seinem Schlachtungs-
bild an den Altar und Dreifuß Apolls, aber auch zugleich in seinen heiligen
Hain versetzt, und auch Klitias läßt seine Verfolgung nicht zwischen
Bäumen und Apolloheiligtum vor sich gehn, sondern einfach vor den
Mauern Trojas in der Nähe des Brunnenhauses. Brunnen, Baum, Vogel,
Apollon, Altar, Dreifuß bezeichnen denselben Schauplatz, das Thym-
braion der Überlieferung, und die Künstler wählen, je nachdem sie den
Hinterhalt oder die Schlachtung darstellen wollen, davon aus. was sie
zu ihrer Erzählung nötig finden. Daß unser Meister als einziger die Te-
menosmauer wiedergibt, hängt damit zusammen, daß er ein Hochrelief
zu schaffen unternahm. Hatte er sich einmal zu der Darstellung des stark
plastischen Häuschens mit Tür und Innenraum entschlossen. so war er
gezwungen, die Figuren rechts und links davon, wenn er sie durch das
Häuschen nicht völlig trennen wollte, nach vorn zu bringen. Dies hätte
er, wie der Meister des Einführungsgiebels, durch nach hinten gehende
Stege erreichen können. aber dann hätte er in der Mitte ein Bau-
werk und an ihm haftende Figuren, zu den Seiten aber leeren Raum und
isolierte Figuren erhalten. So lag es für ihn außerordentlich nahe, die
inhaltlich sinngemäße Mauer in seine Troilosdarstellung aufzunehmen.
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