Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

Page: 94
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1922/0100
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
94

Ernst Buschor

wendung als Akroter aus. Aber Seitenakrotere dürfte man sich auch
kaum mit so roh vernachlässigter Rückseite denken, und wo die auf-
gerollte Sima das Seitenakroter bildete, muss doch wohl eine homogene
Verbindung zwischen Volute und schmücketider Akroterfigur gefordert
werden. Wahrscheinlicher ist eine Verwendung unserer Tierreihe als
Fries an einem Bau mit Holzgebälk. Ein solcher Bau hat utn diese Zeit
in Athen, wo offenbar der dorische Steinbau erst allmählich eindrang,
nichts Auffälliges. 1m Gegenteil erklärt sich die eigenartige Herrichtung
unserer Tiere, wie Schrader mit Recht betont, nur im Zusammenhang
mit einer noch blühenden Kunstübung in Holz.

Wie ein solcher Tempel ausgesehen hat, wissen wir nicht. Am ehesten
möchte man sich eine Art Antentempel aus unregelmäßigen Steinen oder
aus Lehmziegeln und Fachwerk denken, mit Walmdach und Holzsäulen
zwischen holzverkleideten Anten. Holzsäulen setzen Steinbasen voraus,
und nun stehen tatsächlich auf der Burg ein paar solcher Steinbasen,
von denen man nicht mit Bestimmtheit sagen kann, ob sie zu einem spät-
mykenischen Megaron oder zu einem protodorischen Tempel gehören.
Das verwendete Material, Poros, gibt nichts aus, und aus der Tatsache,
dass eine größere derartige Basis aus Burgkalk gefunden wurde, die allen
Ahspruch hat, zum mykenischen Palast gerechnet zu werden, darf man
nicht allzu viel schließen. Leider ließ sich auch ein alter Bauzusammen-
hang für das alte Basenpaar nicht ermitteln und nur feststellen, daß
der Antentempel den Holzbau in geringer Höhe überbaute (Kavvadias-
Kawerau, Die Ausgrabung der Akropolis S. 84; Dörpfeld. bei Wiegand
S. 117; Arch. Jahrbuch XXXIV 1919 S. 4).

Mögen nun unsere Tiere zu diesem Bau gehört haben oder nicht,
mag er mykenisch oder frühdorisch sein, jedenfalls muß an dieser Stelle
schon im siebenten Jahrhundert ein Tempel gestanden sein. Denn es
ist einmal schon unsicher, daß die bekannten Homerstellen rj 81 und
B 548 sich auf den Tempel mit dem Typhongiebel beziehen, und
auf der andern Seite auch kaurn glaublich, daß dies der erste Tempel
war, der sich bei den alten Kultmalen erhob. Wir werden sehen, daß
zur Zeit als man den Antentempel baute, auf der Burg schon ein Bau
stand, der bedeutend größer war als der Neubau; das schließt aus,
daß die Gegend der Kultmale bis dahin ohne Tempel war, ja man kann
das Postulat aufstellen, daß der erste größere Bau der Burg ein Tempel
loading ...