Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Ernst Buschor

und Reliefkünstler dieser Zeit so gern neben der reinen Profilansicht ver-
wenden. Doch scheint der Meister hier dem hohen Relief seiner Figuren
einige Konzessionen gemacht zu haben: die Schwanzflosse ist nach vorn
gezogen und damit wieder in die Relieffläche gebracht, und auch der Kopf
des Triton war vielleicht durch eineganz leichte Verschiebung des Schulter-
giirtels ein wenig aus der reinen Vorderansicht gedreht (Heberdey S. 48).
Noch schwerer fiel es dem Bildhauer, den Dreileibigen zwischen der er-
strebten Seiten- und Vorderansicht aufzuteilen. In einer Zeichnung
wären in dieser Zeit die beiden vorderen Leiber in reinem Profil, der dritte
von vorn erschienen, den bekannten Geryoneusbildern ähnlich; das fast
bis zu rundplastischer Wirkung getriebene Hochrelief machte dies un-
möglich. So hat er den Ersten ins Profil gestellt, den Zweiten ein wenig
aus dem Profil herausgedreht, den Dritten wieder aus der reinen Vorder-
ansicht ein wenig nach den beiden Genossen zu gedreht, doch wirkt der
Zweite immer noch als seitlich, der Dritte als von vorn gesehen. Das
Schlangenschwanzende ist wieder, wie drüben die Fischflosse, ein wenig
vorgezogen, nicht um eine Verkürzung zu erzielen, sondern um trotz des
Hochreliefs die Relieffläche zu wahren.

Für die Wendung des Blaubartes bedeutet dies allerdings, daß der
Kopf wie in Abb. 1 aufgesetzt werden muß, also ähnlich wie auf der Tafel
Brunn-Bruckmann 456, nur noch etwas entschiedener in die Vorder-
ansicht gebracht, und jedenfalls stark abweichend von den drei Auf-.
stellungen AM. XIV 1889 Taf. 2, Perrot-Chipiez VIII Taf. 3 und bei
Heberdey Taf. 4. Der echt archaischen Festigkeit, mit der den beiden
ersten Männern der Kopf gleichsam auf den Körper geschraubt ist, muß
auch der Blaubart teilhaftig werden. Sie geht, wie die genannten drei
Tafeln zeigen, verloren, wenn man den Kopf durch schräge Haltung und
starke Drehung den andern angleichen will. Der Blaubart macht ja das
Staunen iiber den Ringkampf drüben in der andern Giebelhälfte gar nicht
mit, er hebt den Kopf nicht wie seine beiden Genossen, sondern senkt
das Kinn und schaut für sich. So ist auch sein Oberkörper grundsätzlich
anders gewendet als die Nachbarn und vollends der Kopf total anders
angelegt. Die beiden andern Köpfe sind Profil- und Reliefköpfe nach
Komposition und Ausführung; von vorne gesehen würden sie geradezu
grotesk wirken. Der Blaubartkopf weicht von ihrer Art so stark ab, daß
man ihn eine Zeitlang für nicht zugehörig gehalten hat. Er wirkt viel mehr
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