Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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TROJA UND HOMER.

Nach dem Tode Heinrich Schliemanns konnte ich bekanntlich
unsere Grabungen auf dem Hügel von Hissarlik mit mehreren Mit-
arbeitern in den Jahren 1893 und 94 fortsetzen und erzielte dabei über-
raschende Ergebnisse, die ich zuerst in diesen Mitteilungen (XIX 1894,
380) und dann in dem Buche Troja und Ilion (1902) veröffentlicht habe.
Sie bestätigten zwar einerseits die Richtigkeit von Schliemanns Ansicht,
die auch ich geteilt hatte, daß unterhalb der Ruinen der römischen und
der griechischen Stadt und unterhalb des Tempels der ilischen Athena
wirklich die von den Griechen eroberte Stadt Troja gelegen hatte, zeigten
aber andererseits, daß zur Zeit des trojanischen Krieges, also um rund
1200 vor Chr., nicht die zweite ‘Stadt’ bestanden hatte, sondern die
höher liegende sechste, Daraus ergab sich der wichtige Schluß, daß von
den neun übereinanderliegenden Schichten, deren Reste Schliemann in
dem Hügel von Hissarlik nachgewiesen hatte, nicht die zweite Schicht
von unten das Troja des Priamos sein konnte, wie wir bis dahin geglaubt
hatten, sondern nur die sechste. Jene gehörte nach Aussage ihrer Reste
sicher noch dem III. Jahrtausend v. Chr. an; diese hatte dagegen, wie
einige in den Wohnhäusern gefundene, genau datierbare mykenische
Vasen gelehrt hatten, bestimmt am Ende des II. Jahrtausends bestanden.
Jene war eine kleine Lehmburg aus der ersten Bronzezeit, diese dagegen
eine größere und stärkere Steinburg der ‘mykenischen’ Periode.

Das Buch Troja und Ilion hat in der Trojaforschung Epoche gemacht.
Der heftige Widerspruch, den Schliemann früher gefunden hatte und der
anfangs leider mit Hohn und Spott verbunden war, verstummte voll-
ständig. Alle Archäologen, die Troja besuchten, überzeugten sich von
der Stattlichkeit der Burgmauer und der anderen Bauwerke der sechsten
Schicht und traten der neuen Ansicht bei, daß Troja VI zur Zeit des
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