Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Troja und Homer

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trojanischen Krieges als mächtige Burg bestanden habe und die von den
Griechen zerstörte Burg sein müsse. Es verdienen hier der Engländer
Walter Leaf, der Franzose Georges Perrot, der Amerikaner Thomas D.
Seymour und der Deutsche Friedrich von Duhn genannt zu werden, die
öffentlich nach dem Besuche Trojas in ihren Büchern und Vorträgen
für die große Bedeutung der aufgedeckten Burgruinen und für die Gleich-
setzung von Troja VI mit der homerischen Burg des Priamos eintraten.

Soviel ich weiß, hat von den bekannten Archäologen nur einDeutscher
an der früheren Ansicht Schliemanns festgehalten, Carl Schuchhardt, der
Direktor der Schliemann-Sammlung in Berlin. Als junger Archäologe
hatte er vor fast 40 Jahren unsere Grabungen in Troja besucht und war
dann in einem von seinem Lehrer F. von Duhn angeregten wertvollen
Buche, Schliemanns Ausgrabungen im Lichte der heutigen Wissen-
schaft (1889), für die Wichtigkeit der trojanischen Funde und fiir die
Wirklichkeit des von Schliemann gefundenen Troja des Priamos einge-
treten. In seinen späteren Publikationen und namentlich in seinem Buche
Alteuropa (1919, 253) ist er dieser alten Schliemannschen Ansicht treu
geblieben und hat sich durch das Buch Troja und Ilioh nicht belehren
lassen. Noch immer tritt er dafür ein, daß die uralte prähistorische Burg
Troja II von Homer besungen werde und nicht Troja VI, von dem er be-
hauptet, daß es ‘von den Mykeniern selbst gegründet sei’ und daher doch
nicht von dem ‘Mykenier Agammenon’ zerstört sein könne. Da Schuch-
hardt diese Ansicht auch in dem neuen amtlichen ‘Führer durch die vor-
geschichtliche Abteilung der staatlichen Museen zu Berlin’ (1922) wieder-
holt, scheint es mir Pflicht, ihm öffentlich zu widersprechen und die Halt-
losigkeit seiner angeblichen Beweise zu zeigen.

Für diese Besprechung ist es von großem Wert, daß Schuchhardt
und ich iiber die neun in Troja erhaltenen Schichten und über ihre
Datierung gleicher Ansicht sind. Auf S. 18 des neuen Fiihrers zählt er
die neun Schichten in ähnlicher Weise auf, wie ich es im Buche Troja und
Ilion getan habe, und gibt ihnen auch fast dieselben Zeitabschnitte. Die
II. Schicht mit ihrer Burgmauer und ihren Häusern aus Lehmziegeln und
Holz setzt er, ebenso wie ich, in die Zeit von etwa 2500—2000 v. Chr.
und der größeren VI. Burg mit ihren Ringmauern und Gebäuden aus
Steinen schreibt er die Zeit von 1400—1100 zu. Unsere Meinungsver-
schiedenheit beginnt erst bei seinen Angaben über die Erbauer und Zer-
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