Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Erwiderung

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Dörpfelds von 1893 und 1894 mit derselben gläubigen Begeisterung auf-
genommen, mit der wir damals alle Dörpfeld gegenüberstanden. In
meinem alten Schliemann-Buche habe ich nicht Gelegenheit gefunden das
auszusprechen, denn dessen 2. Auflage ist 1891 von Brockhaus offenbar
in solcher Masse gedruckt, daß sie nie vergriffen werden kann. Aber in
Vorträgen und Besprechungen habe ich in meinen langen Hannoverschen
Jahren (1888—1908) immer den Dörpfeldschen Standpunkt vertreten,
daß erst Troja VI von den Griechen erobert sei und Troja 11 eine weit vor
der dichterischen Überlieferung liegende dunkle Periode darstelle.

Bedenken gegen diese Auffassung sind mir erst in den letzten zehn
Jahren gekonnnen durch das Material von Troja wie vom alten Mittel-
meere überhaupt und durch das Gesamtbild der alteuröpäischen Ent-
wicklung.

Dörpfeld sagt, der Trojanische Krieg hat nach der griechischen
Überlieferung um 1200 stattgefunden. Gewiß, und die Erschaffung der
Welt hat nach der jüdischen Überlieferung um 5000 stattgefunden. Wie
wir uns heute von dieser jüdischen Zahl emanzipieren und aüs der Geologie
ganz andere Zeiträume entnehmen, so werden wir auch für den sagen-
haften Trojanischen Krieg uns nur aus den Ruinen von Troja Rat holen
können.

Dörpfeld tut das in der Weise, daß er sich durch das Jahr 1200 auf
die entsprechende Schicht der Burg, die VI. weisen läßt und dann findet,
daß sie in ihrer Größe und Schönheit der homerischen Beschreibung am
meisten entspreche. Diese VI. Schicht ist aber nur e i n e von den zahl-
reichen Burgen des mykenischen Kulturkreises, und sie ist zur selben
Zeit zugrunde gegangen wie die übrigen auch. Es ist nicht recht zu ver-
stehen, wie eine allgemeine Kraftanstrengung der westlichen mykenischen
Mächte in dieser Niedergangsperiode die östliche Verwandte gestürzt
haben sollte, und wie diese Begebenheit das Volk zu Sage und Dichtung
für viele Jahrhunderte begeistert hätte.

Ich bin von der VI. Burg als der homerischen abgekommen durch
die zunehmende Beobachtung von Zügen, die auf eine weit ältere Fixierung
der Sage deuten. Schon die Einlegearbeit aus verschiedenen farbigen
Metallen, wie Homer sie beim Achillesschild beschreibt, ist frühmykenisch,
nur in den Schachtgräbern des XVI. Jh. gefunden, nachher nicht mehr.
Das viel genannte dercas diupiy,vnellov, das man mit zwei Höhlungen,
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