Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Karl Lehmann-Hartleben

D. h. diese unterste Treppenstufe sprang beiderseits iiber die Flucht der
iibrigen Treppe um genau eine Treppenstufenbreite vor. Eine solche Ab-
messung hätte, wenn es sich nur um ein Fundament für die Treppe und
nicht um eine Stufe derselben handelte, gar keinen Sinn. Darunter ist der
untere Vorsprung der Pororseuthynterie in ganz gleicher Länge weg-
geschlagen. Hier also lag ein Fundament für diese unterste Treppenstufe.
Eher als zu einer späten Zugangstreppe werden zu diesem Fundament die
beiden vonRoßgefundenenPorosquaderngehören, dieunmittelbar darunter
vor dem vorpersischen Unterbau lagen (Roß 83; Boetticher 69 ff. Abb. 3)
und jetzt verschwunden sind. Daß dieTreppe am Bau des Iktinos nicht
weiter herabführte und ihre unterste Stufe die vor der Marmoreuthynterie
war, beweist die Unregelmäßigkeit des Unterbaues unterhalb dieser. Da
nun die Treppenstufen natürlich gleiche Höhe hatten. nämlich die halbe
Höhe der Tempelstufen, das ist 25,8 cm, so ist damit die alte Niveau-
linie und die Höhe der sichtbaren Euthynterie bestimmt. Diese hatte
also ebenfalls genau eine halbe Stufenhöhe, d. h. einen ganz festen Pro-
portionswert im Bau. Dazu paßt, daß die Marmoreuthvnterie der West-
seite, deren Unterkante nicht sichtbar wurde, eine nur wenig größere
Höhe hatte (28—30 cm). An sich wäre es möglich, daß auch im West-
teil der Nordseite die Euthynterie, wo sie ausreichende Höhe dazu besitzt,
sichtbar gewesen wäre. Da aber hier die darunter liegende Porosschicht
stark unregelmäßig und nicht als Euthynterie behandelt ist, bleibt dies
wenig wahrscheinlich. Der Ausgleich zwischen dem höheren Niveau an
den Langseiten (Unterrand der ersten Stufe) und dein niederen der
Westseite (25,8 cm tiefer) erfolgte offenbar an jenen zunächst den Ecken.
Die Marinoreuthynterie greift an der Südwestecke mit einem 103 cm
langen Eckblock auf die Südseite über. An seiner östlichen Endigung
mußte bereits das höhere Niveau erreicht sein. Daß die Euthynterie
auch hier an der Westseite, wo sie sichtbar war, wie im Norden und
Osten einen feinen, spiegelartigen Werkzoll behielt, ist eine Unfertigkeit
mit der wir uns angesichts dieses klaren Tatbestandes abfinden müssen.

Der Parthenon hatte also an den beiden Langseiten und der Ost-
front keine sichtbare Euthynterie, wohl aber an der dem Burgeingang
zugewendeten Westfront.

Athen, Mai 1923.

Karl Lehmann-Hartleben.
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