Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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EINE ANTIKE OPFERSTATTE AUF DEM OLYMP.

Bei unserer Besteigung des Olymp im Sommer 1923 suchten wir,
soweit es unsere Zeit erlaubte, der Frage nach antiken Kultstätten auf
dem Gipfel näherzukommen. Der eigentliche Hauptgipfel ist von einer
Anzahl Spitzen umlagert, die nur wenig niedriger sind und zum Teil
stundenweit auseinander liegen. Recht bezeichnend heißt es im grie-
chischen Volkslied:

’Eyaj slfi’ ö yeQO-OXvfircoQ <riöv xöouo igaxovofiEvog,

'Eyo) oaQavra dvo xoq^eq x’ E%r\v%a övo ßQvoovkeg.

Auf der höchsten Spitze haben wir keine Spuren einer antiken Kultstätte
gefunden, wohl aber auf einem der Vorberge, der etwa eine Stunde
südlich vom Hauptgipfel sich erhebt und ausweislich unseres Höhen-
messers etwa 2900 m hoch ist, vom Hauptgipfel also nur ungefähr um
100 m überragt wird. Hier glaubten wir Altarreste zu erkennen und
lasen zwischen den Steinen des Gipfels einige hundert Scherben auf, die
trotz ihrer Kleinheit und überaus starken Verwitterung und Verscheue-
rung sich uns als unzweifelhaft antik erwiesen: etwa die Hälfte zeigt
mehr oder minder deutliche Reste der alten schwarzen Glasurfarbe.
Schon allein die von uns aufgehobenen Fragmente verteilen sich min-
destens auf mehrere Dutzend Gefäße. Nach den Henkeln, Böden und
Randstücken zu schließen, scheint es sich vor allem um kleine Gefäße
zu handeln, um Schalen, Näpfe, Becher und dergleichen, und zwar, wie
uns archäologischerseits mitgeteilt wird, wohl meist um Gefäße aus den
späteren Jahrhunderten des klassischen Altertums.

Damit ist ein starker Opferdienst in antiker Zeit für diesen Neben-
gipfel erwiesen. Will man nicht annehmen, daß die Spuren antiken
Kultes auf dem Hauptgipfel völlig verschwunden sind, oder daß man
bei dem geringen Höhenunterschied im Altertum diesen Nebengipfel für

Atlien. Mitteilungen XXXXVII 1922 9
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