Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 10.1894

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Architektonifche Rundfchau
SKIZZENBLÄTTER
AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST
HERAUSGEGEBEN
VON
Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle
ARCHITEKTEN IN STUTTGART.
10. Jahrgang 1894. >-*-
5. Heft.

Monatlich eine Lieferung zum Preise von Mark 1, 50,
I N HALT.

Tafel 33. Herrenhaus des Herrn Baron Konrad zu Putlitz
auf Gross-Pankow in der Priegnitz; umgebaut vom Regierungs-
baumeister Wilhelm Möller.
Das alte Herrenhaus war von sehr bescheidenem Aussehen
mit nur einem Geschoss. Beim Umbau sollten möglichst alle
Mauern, Kellerfundamente etc. erhalten bleiben. Der alte, gut
konservierte Dachstuhl des Gebäudes wurde deshalb herunter-
genommen und nach Erhöhung der Mauern um i1^ m wieder
aufgesetzt. Durch dieses Vor-
ö
gehen entstand ein weiteres nach
der Vorderfront als Mansarde
ausgebildetes Stockwerk. Diese
Vorderfront liegt nach dem Guts¬
hofe zu und wurde mit einer
grossen geräumigen Unterfahrt
versehen. Auf der rechten Seite
des Gebäudes liegen die Räume
für die Herrschaft in beiden
Stockwerken, welche durch eine
angebaute Wendeltreppe mit¬
einander verbunden sind; links
Dienerschaft, Küche etc. und
Fremdenzimmer. Das ganze Ge¬
bäude ist mit Warmwasserheizung
(Gebr. Körting) versehen. Was
den Ausbau der Fassade an¬
belangt, so sind an Stelle des
einfachen Putzbaues die Fenster¬
umrahmungen etc. in Ziegeln mit
farbigen Glasuren ausgeführt, die
Flächen dazwischen in Putz. Ein
in Schmiedeeisen prächtig ausge¬
führtes Familienwappen schmückt
den Giebel der Vorderfront. Die
Ausstattung im Innern ist” sein-
gediegen, besonders Speisezimmer und Diele, erstere mit reichen
Paneelen und alten Schränken, letztere in reichstem Tiroler
Bauernstil durch Maximilian Thiele ausgemalt. Die Baukosten be-
laufen sich für den ganzen Umbau auf ungefähr M. 90000. Jahr
des Umbaues 1890—1891. Die Diele erscheint im nächsten Heft.
Tafel 34. Villa Schönberger in Abbazia, erbaut von Pro-
fessor L. T hey er in Bozen.
Die Villa des Herrn Ludwig Schönberger in Abbazia befindet
sich seitlich des Südbahnhotels »Kronprinzessin Stefanie«, umgeben
von der üppigsten Lorbeervegetation mit herrlichem Ausblick
auf den Quarnero, sowie auf die Inseln Velia und Cherso.
Dieselbe ist mit reichlicher Anwendung von Istrianersteinen
in Ziegel erbaut. Die Friesdekoration ist in Freskomalerei durch-
geführt, das sichtbare Sparrenwerk mit gefärbtem Firnis ge-
strichen.
Besonders prunkvoll sind Stiege und Vestibül, sowie die
Repräsentationsräume dekoriert, weshalb sich auch die Bausumme
auf 45 000 fl. stellt.

Tafel 35. Details aus dem Zimmer in Zirbengotik im
Brügger Hofe zu Velthurns; aufgenommen von Architekt H. Kirch-
mayr in Klausen. (Gesamtansicht s. Tafel 30.)
Tafel 35 u. 37. Konkurrenzentwurf für ein Sparkassen-
gebäude in Lemberg von Architekt J. Sowinski in Wien.
Praktische Rücksichten auf eine einfache Geschäftsabwick-
lung, gute Kontrolle, Kommunikation zwischen den einzelnen
Bureaux und leichte Orientierung des Publikums im Innern
des Gebäudes, sowie ästhetische
Rücksichten auf die architek-
tonische Gruppierung der Fassade
und monumentale Ausbildung des
Mittelbaues des an zwei Gassen
liegenden Gebäudes führten zur
Wahl der Centralanlage, als
rationellster Lösung für das pro-
jektierte Objekt. Das Gebäude
enthält im Souterrain: Kassen-
depots, Diener- und Kellerräume,
einen Kontrollgang für den Wäch-
ter und eine Einfahrt für die
Lastwägen. Das Parterre ent-
hält : die hauptsächlichsten Spar-
kassenräume mit der charakte-
ristischen Centralhalle für das
Publikum, ausserdem Räume für
Direktor und Korrespondenten,
eine Bureaustiege zum Souterrain
und ersten Stock, Tresor, Haupt-
stiege, Klosetts, Waschräume,
Garderoben, vermietbare Laden-
lokale und Aborte für das Publi-
kum. Im ersten Stock befinden
sich an der Strassenseite: Sitzungs-
saal, Generaldirektor, Hypo-
Urn die Centralhalle herum: Ein-
reichungsprotokoll, Expedition, Registratur und Buchhaltung mit
den nötigen Neben- und Dienerräumen. Sämtliche Bureaux im
Hause haben direkte Beleuchtung. Der zweite Stock enthält
zwei grosse Wohnungen der Direktoren. Die Dampfkessel- und
Motorenräume für die Centralheizung und Ventilation liegen unter
dem Hofe und sind durch Oberlichte im Pflasterniveau beleuchtet.
Die Centralhalle besitzt eine Glasdecke und in der Dachhöhe
ein Glasdach. Die Hauptfassade ist programmgemäss in Stein
projektiert und dementsprechend gegliedert.
Tafel 38. Parkthor bei Schloss Altenstein (Sachsen-
Meiningen). — Brücke im Schlossgarten zu Meiningen; ent-
worfen und ausgeführt von Professor A. Neumeister in Karlsruhe.
Die Brücke wurde an Stelle einer alten Holzbrücke aus-
geführt. Die Unterkonstruktion, die Mauerbögen, die einen Werra-
arm Überspannen, sind ebenso wie die bastionartigen Brücken-
anfänge mittelalterlichen Ursprungs und wahrscheinlich Teile alter
Befestigungsanlagen. Der Oberbau der Brücke wurde gegen den


thekardirektor und Syndikus.

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Grundriss der Wohnhäuser Gartenstrasse 61 und 63 in Düsseldorf;
erbaut von Tüshaus & v. Abbema, Architekten daselbst.
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