Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 10.1894

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hofs bemerkenswert. Die Anlage eines Hofes an der Strasse
ist nach Berliner Baupolizei-Bestimmungen nicht gestattet und
bedurfte besonderer Genehmigung.
Die Fassadenornamente bestehen zum Teil aus Ischyrota-
Kunstsandstein. Terrainwert 930000 Mk. Baukosten 430000 Mk.

Tafel 84. Wohnhaus des Professors Paul Meyerheim in
Berlin, Hildebrandtstrasse 22 ; umgebaut von Regierungsbaumeister
A. Messel daselbst.
Das Haus ist im Jahre 1893 in den Besitz des Malers Prof.
Meyerheim gekommen und den Zwecken des Besitzers ent-

Tafel 82.
Landhaus in Stan-
more bei London;
erbaut von Archi-
tekt Arnold Mit-
chell in London.
Dieses jüngst
erbaute Haus ge-
hört zu der in Eng-
land so verbreiteten
Gattung einfacher,
aber malerisch
gruppierter Land-
häuser für eine Fa-
milie, wie sie neuer-
dings auch in
Deutschland her-
gestellt werden. Die
Baumaterialien sind
rote Backsteine,
rote Ziegel und
weisser Kalkputz.
Das Haus ent-
hält 3 Wohn- und
6 Schlafzimmer,
Küche und Neben-



Grundrisse zum Wohn- und Geschäftshaus Münzstrasse 21 und Ecke Verlängerte Kaiser Wilhehn-
strasse in Berlin; erbaut von Werner & Zaar, Architekten daselbsf.

sprechend umge-
baut worden. Im
Erdgeschoss befin-
den sich die
Wohn- und Gesell-
schaftsräume , im
Obergeschoss die
Schlafräume. Das
Atelier ist im zwei-
ten Stock aufgebaut
worden, nach dem
Garten gelegen und
mit eigener Treppe
für Modelle ver-
sehen. Die Fassade
ist unter Beibehal-
tung der alten
Fensteröffnungen
neu dekoriert und
in Putztechnik aus-
geführt worden.
Unter dem weit
überhangenden
Hauptgesims wurde
auf besonderen
Wunsch des Bau¬

räume. Der Treppenraum ist Hauptraum. Auf ihn öffnen sich
alle Zimmer ohne Vermittlung von Korridoren. Es wird hier-
durch an Kosten gespart und eine malerische Wirkung erzielt.
Baukosten £ 2000 oder 40000 Mark.
Tafel 83. Innerer Schlosshof zu Detmold (15 50—15 57); aufge-
nommen von Regierungsbaumeister O. Poetsch in Charlottenburg.

Herrn ein Tierfries nach Zeichnungen von Hupp ausgeführt. Ueber
der im Erdgeschoss befindlichen Garderobe befindet sich ein
erhöhter Sitzplatz, von dem aus auch der über dem Haupteingang
befindliche Balkon zugänglich ist. Die Gartenfassade ist durch
den neu angebauten Turm und Veränderungen des alten Baues
entsprechend malerisch hergerichtet.

Litteratur.
Der Steinbau. (Der praktische Maurer.) Handbuch für Architekten, Bau-
handwerker und Bauschüler. Herausgegeben von Dr. C. A. Menzel,
königl. Universitäts-Bauinspektor und Professor. Neunte, verbesserte
und vermehrte Auflage, bearbeitet von Dr. F. Heinzerling, kgl. Baurat
und Professor. Leipzig 1893. Verlag von J. J. Arnd.
Was in grossen Bauhandbüchern in ausführlicher Behandlung nieder-
gelegt ist, wird hier im Auszuge und mit Hinweglassung mathematischer
Formeln dem Techniker in einer für die gewöhnliche Praxis ausreichenden
Darstellung geboten. Die Gewinnung der natürlichen und künstlichen Bau-
materialien, die Gründungen, die verschiedenen Arten des Mauerwerks, die
Herstellung der Gewölbe, der Steintreppen und Rüstungen, die Heizungs-
und Feuerungsanlagen, die Dachdeckungen, Fussböden und Decken werden
in den Kreis der Betrachtung gezogen. Ein letzter Abschnitt behandelt
die Reparaturen und die Einwirkungen, welche zerstörende Einflüsse auf
Bauwerke äussern. Dieser reiche Inhalt gestaltet das Werk zu einem voll-
ständigen Kompendium der Arbeiten des Maurermeisters und kann als
Ergänzung des Fachunterrichts und als Nachschlagebuch warm empfohlen
werden.

Das deutsche Kunstgewerbe zur Zeit der Weltausstellung in Chicago
1893. Herausgegeben vom bayerischen Kunstgewerbeverein unter Re-
daktion von Professor Leopold Gmelin. München. Verlag von
M. Schorss.
In der Einleitung gibt der Verfasser einen Ueberblick über die Ent-
stehungsgeschichte der kunstgewerblichen Bestrebungen der letzten vierzig
Jahre. Er zeigt, wie diese Bewegung von München ausgegangen, in München
hervorragend gefördert und in München zur höchsten Blüte gebracht wurde.
Es folgt eine Schilderung des Münchener Kunstgewerbevereins, in welchem
dieses Thema weiter ausgeführt wird und der Leser sich überzeugt, dass
im Grunde genommen nur in München die kunstgewerblichen Bestrebungen
von dauerndem Erfolg gekrönt sind, und dass, was sonst noch Annehmbares
ausserhalb geleistet wird, in Abhängigkeit von München steht.
Die Illustrationen, welche zum grossen Teil früheren Jahrgängen der
Zeitschrift des bayerischen Kunstgewerbevereins entnommen sind, zeigen die
bekannte Meisterschaft jener Darstellungen. Ein am Schlüsse angehängter
»Anzeigenteil« macht das Werk in hohem Grade geeignet, als in den Mantel
des Prachtwerks gekleidetes Adressenbuch Münchener Kunstgewerbetreibender
zu dienen.

Das Palais Kinsky auf der Freiung in Wien. Dreissig Tafeln in Licht-
druck, mit erläuterndem Text von Dr. Albert Ilg, K. u. K. Reg.-
Rath und Direktor. Wien 1894. J. Löwy, K. u. K. Hofphotograph,
Kunst- und Verlagsanstalt.
Mit Freude begrüssen wir den ersten Band eines Unternehmens, das
sich zum Ziele setzt, die künstlerisch bedeutendsten Paläste. Alt-Wiens nach
und nach in trefflichen Lichtdruckbildern zu veröffentlichen. Wohl sind
viele einzelne Publikationen jener Prachtbauten des 17. und 18. Jahrhunderts
da und dort in Werken erschienen, aber mit gleicher Gründlichkeit und in
gleichem Umfange ist dieser Stoff nicht erschöpft worden. Jeder Band
soll, wie der vorliegende, einen dieser Paläste als Monographie umfassen.
Die Aufnahmen sind mit feinem Verständnis ausgewählt und mustergiltig

wiedergegeben, und bilden eine reiche Fundgrube für Architekten, Bildhauer
und Dekorateure.
Wenn wir vom Standpunkte des Architekten einen Wunsch äussern
möchten, so wäre es der, dass die Verlagshandlung durch Beigabe von
Hauptgrundrissen den Wert dieser Monographieen erhöhen möchte.

Bautechnische Vorlegeblätter für Maurer, Zimmerleute, Bautischler etc.,
insbesondere für den Unterricht an Baugewerbeschulen. Herausgegeben
auf Veranlassung des Ministeriums für Kultus und Unterricht von den
Architekten Hermann Ritter von Riewel und Karl Schmidt,
Professoren an der IC. K. Staatsgewerbeschule in Wien. 3. Auflage.
Wien 1893. Ad. Lehmann’s Verlag.
Das vorliegende Werk unterscheidet sich von vielen gleichartigen
insbesondere dadurch, dass einzelne Bauten als Ganzes mit allen notwen-
digen Detailzeichnungen vorgeführt werden, so dass der Schüler sämtliche
zu einem Hause notwendigen Zeichnungen, von den Grundplänen bis zu
den Details der Schreiner- und Glaserarbeit, in mustergiltiger Weise dar-
gestellt, vor Augen hat und das Gebäude nach diesen Plänen ausgeführt
werden könnte. In dieser Weise ist ein einstöckiges und ein zweistöckiges
Wohnhaus bearbeitet. Eine dritte Abteilung behandelt verschiedene Einzel-
konstruktionen im Detail. Alle Entwürfe sind den in Wien üblichen Kon-
struktionsweisen angepasst.
Für Schulen und als Vorlegeblätter für Baubureaux sind diese Tafeln
geeignet.

Weitere Publikationen, welche der Redaktion vorgelegt wurden und
empfohlen werden können:
Ziegelrohbau. Zwanglose Hefte für Bautechniker. Zusammenstellung von
Mauerflächenausbildungen, Flächenornamenten, Umfriedigungen, Gesim-
sen. Fenster- und Thüreinfassungen etc. Bearbeitet von U. V. Winter,
Baumeister und Lehrer des Herzogi. Technikums in Idildburghausen.
1893. Verlag der Kesselring’schen Hofbuchhandlung, Hildburghausen.

P. Stiehlen’s Ingenieur-Kalender für Maschinen- und Hüttentechniker.
1894. Eine gedrängte Sammlung der wichtigsten Tabellen, Formeln
und Resultate aus dem Gebiete der gesamten Technik, nebst Notizbuch.
Unter Mitwirkung von R. M. Da eien, Civilingenieur, Düsseldorf;
lierausgeg. von Friedrich Bode, Civilingenieur, Blasewitz. 29. Jahrg.
— Hierzu als Ergänzung: 1. Bode’s Westentaschenbuch. 2. Sozial-
politische Gesetze der neuesten Zeit etc. 3. Tabellen für Bautechniker.
Essen 1893. Verlag von G. D. Baedecker.

Stilisierte Blumen aus allen Kunstepochen. 114 Vorbilder für das
Freihand- und Musterzeichnen, bearbeitet von Professor E. Herdtle.
21 Tafeln mit Text. 3. Auflage. Stuttgart, Verlag von W. Effenberger
(F. Lowe’s Verlag).
Wenngleich die Neuzeit eine Reihe wunderbarer Publikationen auf
dem Gebiete des Pflanzenornaments hervorgebracht, so hat doch das vor-
liegende Werk noch immer seinen Wert und der Name des Verfassers den
guten Klang behalten. Es gehört zu den klassischen Werken, welche die
Wandlungen des Geschmacks der verschiedenen Zeitperioden überdauern.
Für Zeichenschulen ist dasselbe unentbehrlich.

Für die Redaktion verantwortlich Baurat Carl Weigle in Stuttgart.
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