Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1988

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poldstores (Porta Leopoldina, 1674) gebaut. Der Ge-
danke des Triumphzuges für den König des nur kurz
vorher von den Türken befreiten Landes hat seine
Kulmination in dem Bau einer Imitation des römischen
Triumphbogens erreicht. Der Projektant der Pforte
kannte offenbar römische Ruinen wie sie noch vor
den ersten archäologischen Ausgrabungen ausgesehen
haben. Die Triumphbogen der römischen Imperatoren
(Konstantin, Titus. Septimius Severus) waren damals
teilweise von den Ruinen verschüttet und so schienen
sie niedriger zu sein. Der Burgtor von Bratislava
entspricht durch seine Proportionen dem Stand der rö-
mischen Triumphbogen im 17. und am Beginn des 18.
Jahrhunderts.
Es war in Deutschland und Österreich des 16. und
17. Jahrhunderts üblich, einen Triumphbogen als Pro-
visorium aus nicht dauerhaftem Material zu bauen.

In Alt-Ungarn findet man einen provisorischen Trium-
phtor erstmals bei der Ankunft des siegreichen Her-
zogs Karl von Lothringen in Buda 1686. Den Projek-
tanten der Triumphpforte in Bratislava soll man am
Hofe Karls VI. oder Leopolds I. suchen. Für Alt-Un-
garn kommt jemand aus dem Umkreis von Johann
Lucas Hildebrandt (1668—-1745) in Betracht, der für
den Kaiser den nicht mehr erhaltenen Triumphbogen
vor der Einfahrt in die Wiener Hofburg baute. Ein
Motiv, das an einen Triumphbogen errinnert, verwirk-
lichte Hildebrandt auf dem Gartenpalais des Prinzen
Eugen von Savoyen in Ráckeve (Ungarn), der 1701 be-
gonnen wurde. Falls der Burgtor, der später seine
Verzierung verloren hat, nicht von ihm selbst stammt,
ist der Autor des Projekts in seinem Umkreis zu
suchen.
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