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jf) überstanden gehabt, doch im Fieber habe er dumme Dinge angegeben, und nach dem Unheil
müsse man doch den Arzt holen, bigott; — wenigstens, damit sich die Verwandten nicht
nachher, nach dem Tode des unüberlegten Menschen, vorwerfen müßten, nicht das letzte
Mittel versucht zu haben.
Der Arzt kam und in seiner Gegenwart faßte der Kranke Mut zu einem Geständnis. Und
wer auch mit gesträubtem Haar dabeistand, mußte von der Fahrt durch das Fenster, von dem
Rutsch zum Wasser und von der Jagd um und in das Haus hören. Auch hatte der Bäreneckle-
bauer, so wagte er ohne Furcht und Zittern zu gestehen, augenblicklich keinen andern Wunsch,
als sich noch einmal sattrinken und abermals die Sonne am offenen Fenster sehen zu dürfen
wie gestern.
Weiter fehlte nichts! sagten die Verwandten und die anderen Klettbacher. Der Arzt sagte
ebenso, nur in anderem Sinne; er ließ den Kranken trinken, gab ihm auch die Sonne und
stand nach einigen weiteren Verordnungen vor einem Gesunden. Andere Kranke aber waren
gestorben, ohne Wasser zu trinken.
So verbreitete sich die Wundermär von der abenteuerlichen Fahrt und Genesung des Bäreneckle-
bauern in Dorf und Land; jeder Großvater erzählte sie dem Enkel haarklein. Wer Augen
hat, zu sehen, erkennt die kluggemachten Enkel noch heute, und nicht nur in Klettbach; sie
holen zwar keinen Arzt (denn das haben die Verwandten des Bärnecklebauern nur im ersten
Schreck besinnungslos getan!); sie trinken auch kein Wasser wie der Bauer (denn das wird
fast immer gefährlich, hat man gehört!); dagegen legen sie noch ganz wie der Bärenecklebauer
in Zeiten der Not den letzten der sieben Himmelsriegel unter das Kopfkissen. Und gar durch
das Fensterle springen, weils erwiesenermaßen dem Bärenecklebauer geholfen hat, — das
tun sie allesamt.
 
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