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Badische Kunst: Jahrbuch d. Vereinigung Heimatliche Kunstpflege, Karlsruhe — 3.1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.52694#0018
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12 Das Bedürfnis nach größerer Vervollkommnung in seiner Kunst und die Unmöglichkeit, diese
in Karlsruhe zu erlangen, wo seit dem Tode seines innigstgeliebten Lehrers und Freundes
Schirmer und seit dem Weggang Canons Gude als Landschafter und Lessing als Historien-
maler wirkten, ließ Lugo den Rat Hausers befolgen. Er wandte sich im Spätjahr 1869 über
München und Leipzig nach Dresden. Die alte Pinakothek mit ihren altdeutschen Meistern
offenbarte ihm die tiefsten Einsichten in das Wesen und die Mittel der Kunst. Da empfand
er in innerster Seele, was geleistet werden konnte, wenn man im Besitze der richtigen Dar-
stellungsmittel war. Da fühlte er bestätigt, daß der eben beginnende, von Frankreich einströmende
Naturalismus künstlerisch und technisch sich auf Irrwegen befand. In Dresden knüpften sich
wertvolle Beziehungen zu dortigen und zu Leipziger Kunstkreisen an. Von ganz einschneidender
Bedeutung wurde die Bekanntschaft mit dem altern Preller zu Weimar, der väterlich wohl-
wollend den talentvollen und tüchtigen süddeutschen Maler in die Gesetzmäßigkeit großer Kunst
einführte. Preller schätzte das Können und Wollen Lugos außerordentlich hoch und fand auch
an seinem menschlichen Wesen großes Gefallen. Ein Briefwechsel begann, und Preller schreibt
einmal: „— Nehmen Sie denn die Versicherung meiner großen und aufrichtigen Freude an
den Beweißen eines ernsten tüchtigen Strebens, was uns in dieser Zeit wahrhaftig nicht oft
geboten wird, von der heutigen Jugend mit wenigen Ausnahmen sogar höhnend zurückgestoßen
wird. — — Eine geläufige Rede dieser Leute ist: Die alte Kunst hat sich überlebt, sie wissen
aber nicht, daß ächte Kunst sich nicht überleben kann. Ein Stückchen beliebige Natur so
malen, daß jeder Liebhaber ein Urtheil darüber fällen kann, ist noch lange keine Kunst. — —
Jhre Zeichnungen verrathen Phantasie und Klarheit in dem was Sie gewollt. Der malerische
Theil in Licht und Schatten ist mir Beweiß genug, daß Ihnen die Farbe angeboren ist. — —
Über das Wort oder den Begriff von Styl in einem Kunstwerke habe ich mancherlei gelesen
und gehört, nie etwas mich ganz befriedigendes aber vernommen. Ich verstehe unter Styl
nichts anderes als die, durch die Seele des Künstlers gegangene und geläuterte Natur. Diese
hat so ihr zufälliges, unwesentliches abgestreift und tritt in ihrer Lauterkeit auf. Andere mögen
es anders suchen, ich finde ihn so. Bei meinen Naturstudien bin ich stets auf den Organismus,
den Zusammenhang der verschiedenen Gegenstände besonders aufmerksam gewesen. Eine
Komposition ohne den innigsten Zusammenhang aller Theile hat für mich stets etwas Lächer-
liches.“ —
Das waren goldene Worte für Lugo und aus seinem innersten Fühlen heraus gesprochen.
Ein anderes Mal stärkt Preller seinen jungen am Können zaghaft gewordenen Freund mit den
Worten: „Mit allem Respekt und voller Anerkennung dessen, was die neue Zeit auf ihrem
Wege erreicht hat, und auf demselben noch heute erstrebt, kann ich doch nicht zugeben, daß
dieser Weg zum Höchsten und Schönsten führen kann.
Geistes Armuth, Gedankenlosigkeit und was damit nur irgend in Verbindung ist, hat für den
Janhagel jedenfalls das rechte Wort gefunden, um immerhin bedeutend zu erscheinen, wo es
an jeder Bedeutendheit fehlt. — — Da aber in der Welt Nichts Bestand hat, wird auch eine
 
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