Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Kunst: Jahrbuch d. Vereinigung Heimatliche Kunstpflege, Karlsruhe — 3.1905

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.52694#0027
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
das Jensen sehe Haus in Freiburg gewesen, wo der Krampf seines Herzens sich löste. In
diesem Kreise, zu dem u. a. Baron von Düngern, Freiherr von Vincke, der Dichter Fr. Geßler,
der Musiker Dimmler, der Schriftsteller Rüttenauer gehörten, war geistige Freiheit, war Schönheit
und Treue, war Freude, Interesse und nach der Arbeit bewegte Ruhe. Des Freundes Jensen
poetisches Schaffen gab reichste Anregungen, auch im bildnerischen Sinne. Frau Maria Jensen,
selbst Künstlerin, brachte Lugo Freundschaft und feinfühliges Verstehen entgegen. Lieblich
erblühten in diesem Hause hochbegabte Kinder: mehrere Töchter zu Schönheit und Liebreiz
und ein Sohn zu ernster Geistesarbeit. Eine Heimat wurde „Onkel Emil“ zuteil, und der
Einsame fühlte hier den Segen umfriedeter Häuslichkeit. „Erst durch die sich immer inniger
gestaltende Freundschaft mit Wilhelm Jensen und das Theilnehmen an seinem idealen Familien-
leben kam auch mir Sonne und die sichere Ruhe, deren ich mich jetzt zur Ausreifung meiner
Arbeiten erfreue“, schreibt Lugo in einer kleinen Autobiographie.
Brüderliche Liebe rettete ihn aus der Not unzweckmäßiger und schwer erhältlicher Mieträume.
Der jüngere Bruder Karl, der „in Indien ein Vermögen erschwitzt“ hatte, ließ dem Künstler
ein wohnliches Haus mit geräumigem Atelier bauen. „In dem herrlichen Raum und dem ganz
ungewohnten Lichte soll Neues und natürlich „Viel Besseres“, womöglich „Ein Bestes“ geschaffen
werden“, schrieb er in der Freude über die Annehmlichkeiten des Besitzes. Der Kopf des
olympischen Zeus, als Symbol der Kraft und Klarheit in Wollen und Tat, sollte über dem
großen Türschaft prangen.
Diese für Lugo wahrhaft erhebende und befreiende Zeit und der andauernd rege und künstlerisch
fruchtbare Verkehr mit dem ehemaligen Kunstschulgenossen und treuen Freund H. Thoma,
sie haben Lugo die letzten Stufen seines Kunstkönnens ermöglicht. Dieser Kreis gab dem
Malerpoeten Emil Lugo, was die Kunstfreunde, die Heimat, das Vaterland nicht gewährt hatten:
Freiheit, Raum für seinen Genius.
Wie ein innerstes, tieferlebtes Bekenntnis klingt es ruhevoll in einem Briefe aus dieser Zeit
„Der Frühling ist wunderbar übers Land gekommen, und das genieße ich herzlich; denn so
eine übergewaltige Allgemeinheit können die Freiburger nicht von sich abhalten, sie geht über
sie weg und kommt einigen Menschen, die hier wohnen, doch sehr zu Gute — ein ächter
Freiburger brauchte gar nichts als seinen Begriff „Freiburg“, von dem lebt er — es ist ein
stilles bescheidenes Dasein und hat etwas Rührendes.“
Diese enge Welt in Freiburg mußte erweitert werden, sollte nicht das Beste in Lugo ohne
volle Entwicklung bleiben, sollte er nicht im Schaffen und an sich Verzweifeln, im Aufjubeln
und im Ersticken von innen heraus sich selbst verzehren. Die Umstände halfen mit. Eine
häßliche Hetze gegen Jensen, eingeleitet und veranstaltet von Dunkelmännern, denen Natur
Sünde und Geist Teufel ist, ließ für den Dichter einen Ortswechsel zweckmäßig erscheinen.
Im Herbst 1888 siedelte Lugo mit der Familie Jensen nach München über. Wie ein tiefes,
ruhiges Glück kam es über ihn, trotzdem er hier, mehr als im stillen Freiburg, die Kunst, die
nur in der „Mache“ ihr Heil fand, sich breit machen sah. Es focht sein gesammeltes Inneres

21
 
Annotationen