Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

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Des Noch-und Hülfsbüchleins
zweyter Theil.
Wie Bauersleute mit Ehren reich werden können?
Z2«
was Wilhelm Denker für ein Mittel erwählt, zu
einem kleinen Gute zu gelangen.
Sckick einen Esel übern Rhein —
Es kommt ein Langohr wieder heim.
Der Kluge nur noch klüger wird.
Wenn er die weite Welt durchirrt.
Ä^Llhelm Denker zu Dalbergen war der jüngste
von sechs Brüdern und merkte wohl, als er heran
wuchs, daß von seines Vaters Gütchen em so klei-
nes Stück an ihn kommen würde, daß er nicht da-
von leben könne. Gleichwohl hatte er große Lust
einmahl ein wohlhabender Mann zu werden. Dieser
Denker war aber ein gar besonderer Kopf. Wo er
gieng und stand, hatte er die Augen und Ohren allent-
halben, und wollte von allem, was er sah und hörte,
den rechten Bescheid wissen. Da war fast kein Baum
im Walde, kein Gräschen auf der Wiese, dem er
nicht nachforschte, nach seinem Nahmen, wozu es
diente und was es sonst für Eigenschaften hätte. Er
meinte: das sey eben der rechte Unterschied zwischen
einem Menschen und einem Ochsen in der Welt, daß
der Ochse blos fresse und saufe, der Mensch aber alles,
was ihm vorkomme, zu verstehen und das Wie? und
Warum? davon zu begreifen suche. Dabey hatte er
sich gewisse Sprüche angewöhnt, die er bey allen Ge-
legenheiten anbrachte: Z. E. Nichts geschieht ohne
Ursache,
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