Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Editor]; Pursh, Frederick [Editor]; Block, Ludwig Heinrich von [Editor]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

Page: 23
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gebreiteten lachenden Landschaft sielit man unter sicli eine schmale und tiefe
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Schlucht, deren bald kahle, bald bewachsene Felsenwände lieh kühn und maje-
stätisch emporheben. An ihrem Fusse schlingt sich die eilige Weisseritz hin, und
siürzt ßch rauschend über ein Wehr. Drei nicht lehr weit von einander gelegene
Mühlen lind in steter Bewegung, die Stadt mit Mehl zu versörgen, und mil-
dern das wilde Ansehn des schaurigen Grundes. Weiter gen Welten, wohin die
malerische Schlucht sich fort krümmt, wird man ein breiteres angebauetes Thal
gewahr, das hohe Gebirge umschliessen, und aus der Mitte erhebt sich der Kirch-
thurm von Döhlen. — Solch einen Anblick gewährt nur eine gebirgige Gegend,
und nur auf Höhen ist er zu finden. Ihr, die ihr die Berge nur als Coulissen
und Hintergründe von Thal - Gemälden betrachtet, und selbst die bequemsten
Wege verabseheut, die auf die Höhen derselben leiten, um nicht etwa zu er-
müden — wie viel verliert ihr durch eure weichliche Trägheit! Der Geilt wird
erhoben, das Herz wird erweitert, wenn der forschende Blick eine ganze Ge- •
gend umspannt, und dann mit Entzücken auf den schöneren Anlichten ruht.
In solchen Augenblicken gehört der Fühlende gleichsam der Welt und nimmt
einen lebhaftem Antheil an jedem Verhältniss der Menschheir. Mit umfallendem
Herzen iteiget er wieder hinab in das enge ruhige Thal, und stille Empfindun-
gen inneren Glücks, der Freundschaft, der Liebe, Itimmen es mehr zum Genius
seiner selbst und seiner Vertrauten. Er verlässt den grossen Schauplatz der Welt,
und kehrt nun wieder zurück in den engem Zirkel seiner Geliebten.
Der ganze mit Feldern bedeckte Rücken dieser reizenden Höhe gehöret, wie
bereits erwähnt worden, dem benachbarten Dorfe Dölzschen. Schon hier ent-
deckt man Spuren von dem unermüdeten Fleisse seiner Bewohner. Mit mühsa-
men Eifer haben lie zwischen den Klippen der Felseii Terralsen gebildet und lie
mit Fieben bepflanzt. So sauer es ihnen auch wird, die Steine zwischen den Klip-
pen hinunter zu schaffen, und he wie Mauern auf einander zu setzen, um ein
Ichmales Stückchen Ebene zu gewinnen; so viele Beschwerde es ihnen alsdenn
noch verursacht, die gewonnene Fläche mit Erdreich zu decken und der gepllanz-
ten Reben zu warten: so wenig ermüden sie, diesen neuen Zweig ihrer Wirth-
schaft zu pslegen. Vielleicht vermuthet man, dass die Güte des Weins den
Schweiss ihrer Arbeit belohne; aber leider! ist dieses liier nicht der Fall. Doch
desto grösüeres Lob verdienen diese thätigen Bauern, die einen so geringen Vor-
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