Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Editor]; Pursh, Frederick [Editor]; Block, Ludwig Heinrich von [Editor]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

Page: 80
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faß alle Kohlenarbeiter sind und nur kleine Häuschen und Gärtchen besitzen.
Der Bezirk dieser Dörfer ist seiner beträchtlichen Baumschulen wegen berühmt.
Die kleinen Gärtchen sind dicht mit jungen Bäumen besetzt, welche die Be-
sitzer säen und pfropfen. Man versichert, dass Zschiedche allein, ohne die be-
trächtlichen Baumschulen von Burg zu rechnen, jährlich über tausend Schock
gepfropfter Aepfel- und Birn- Stämmchen verkaufte. Ein einziger Einwohner,
dessen Baumschule freilich von grösserem Umfang, als die übrigen ist, lösete
im vorigen Frühling siebenzig Thaler daraus. Man muss lieh freuen, wenn
man erwägt, dass ein unermüdeter Nahrungsfleiss, der noch dazu dem allgemei-
nen Bellen so grossen "Vortheil bringt, von einem kleinen Stück Erdreich so
viel zu erzwingen vermag. Nur wäre zu wünsehen, dass man den Boden die-
ser Baumschulen nicht zu sehr dünge, damit die jungen versetzten Bäume auch
auf einem magern Boden besser gedeihten.
Der ganze Grund ist ein lebendiges Bild des Nahrungslleisses. Dort erhebt
sich ein starker Bauch an dem Berge, dem wir uns nähern ■— ein neuer Beweis
jener wahren Behauptung. Es ist ein Kalkofen, der gegen die Mitte des hohen
Bergs empor dampft, des höchsten der Gegend. Er heisst
DER WINDBERG.
Je weiter man die Strasse verfolgt, desto schöner fällt er ins Auge, und
aus dem Standpunkte betrachtet, aus welchem ihn das Kupferblatt zeigt, bil-
det er mit der umliegenden Gegend eine Landschaft, wie Poussin sie malte.
Die ganze Gestalt des Bergs, den bloss das Wasser hierher gepssanzt, ist schön
und erhaben. Sein Fuss ist von Bäumen und Büschen umgrenzt, und gegen
die Mitte scheint sich gleichsam eine Terrasse queerüber zu ziehen, auf welcher
sein Haupt so kühn sich erhebt. Hauptsächlich zur Linken ist er mit Laubholz
bewachsen ; aber der übrige Theil ist grösstentheils kahl. Unstreitig bildet er
eine der schönsten Scenen im Thale; denn seiten ordnet bei uns die Natur so
einfach und gross, wie an den gebirgigen Malsen in Welschland mit ihren um-
gebenden Hügeln und Flächen, und wie auch hier das Ganze geordnet erscheint.
Mit Vergnügen haftet das Auge auf ihm und seiner leicht bewachsnen hohen
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