Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Editor]; Pursh, Frederick [Editor]; Block, Ludwig Heinrich von [Editor]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

Page: 94
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die Stadt und das seit verschiedenen Jahren eingerichtete Bad berühre, zwei
schöne Anslehten dieser Ruinen aus entfernten Standpunkten der einander ent-
£e£en£esetzten Thäler erwähnen. Die erite davon ilt die
ANSICHT DER RUINEN VON T II AR AND
AUS DEM WEISSERITZ - GRUNDE.
Dieses angenehme Thal, dessen Einladung, es zu durchwandern, man un-
möglich verschmähen kann, erstreckt lieh zwischen den mit mancherlei Ge-
hölzen bewachsenen Bergwänden ein ziemliches Stück in gerader Richtung
hinaus und ist mit schönen Spaziergängen verbunden, die an beiden Gebirgs-
seiten angelegt worden, und deren nähere Erwähnung ich noch verschiebe.
Am Anfange des Thals, wenn man vom Teiche lieh rückwärts wendet, erblickt
man zur Rechten noch einige kleine Häuser, die dicht am Fusse des Kienbergs
liegen. Zur Linken schlüpft die rothe Weisseritz in ziemlicher Eile über ihr
steiniges Lager herab, und belebt dadurch das Hille gefäUige Thal, das einen
eben so reizenden als bequemen Spaziergang gewährt. So lange das Thal sich
nicht krümmt, behält man die Ruinen gerade im Rücken, und lieht sie,
wenn man üch wendet, je weiter je kleiner, auf ihrem mäßigen Hügel.
Der Ort, an welchem die vor uns liegende Auslieht genommen, ist hier gerade
die sehickiiehite Ferne, um mir. dem Anblick der Ruinen ein schönes Ganze zu
verbinden, was bei einer jeden Landschaft, welche die Hand des Künstlers
nachzubilden unternimmt, eine unnachlässliche Bedingung ist. Besonders gilt
dieses von den Gegenständen des Vorgrunds, von welchem die Landschaft Be-
lebung und Haltung empfängt. Die nämliche Rücksicht hat der Gartenkünstler
zu nehmen, er habe nun blos eine reizende Natur zu verschönern, oder eine
schöne Natur auf einem von ihr vernachlässigten Erdstück neu zu erschaffen.
Immer muss er darauf bedacht seyn, die Wirkung interessanter Anlagen durch
Haltung zu heben, und da, wo er dieselbe am stärksten oder am vortheil-
haftesten erwartet, einen natürlichen Vorgrund zu bilden, durch welchen erst
die Ansicht eines Gemäldes gewinnt, und ein günlliger Standpunkt bezeichnet
wird, aus welchem ein schönes Gebäude oder eine anmuthige pittoreske Parthie
xiebst den damit in Verbindung ssehenden Theilen als ein landsehaftliches Ganzes
erscheint. Doch müssen die Mittel, wodurch dies bewerksielliget wird, nie
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