Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Editor]; Pursh, Frederick [Editor]; Block, Ludwig Heinrich von [Editor]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

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bedeutende Strasse über lie hin führt. Vielleicht würde an diesem Platze eine
höher gespannte pittoreskere Brücke, ohne weitere Rücksicht auf ihre Bestim-
mung, wenn lie nur übrigens eben so dauerhaft wäre, keine ungefällige Wir-
kung thun; aber weggerechnet, dass sie nun einen andern Charakter trüge,
als das mit ihr in Verbindung siehende Wehr, so würde ihr auch jene in
ihrer Mitte höher gehobene Spannung zugleich einen grossen Theil ihrer Brauch-
barkeit rauben, und man würde lieh fragen , warum diese unnöthige Spannung,
die an einem andern Orte sehr zweckmässig seyn dürfte, an diesem so unsehick-
lich gewählt worden sey.
Ganz anders verhält es lieh mit dem vor uns liegenden Mühlgebäude, das
einer Verschönerung fähig wäre, ohne seiner Beltimmung zu nahe zu treten,
wenn man nämlich dieser schönen Parthie einen höhern Charakter zu geben
wünsehte. Ich rede hier von keinem gesliehten, der etwas anders und fremd-
artiges erwarten liesse, und welchem alsdann die innere Einrichtung ganz wi-
derspräche. Solche Verlarvungen in der Gartenkunit können zuweilen, wo
Überraschung und blosses Vergnügen der Zweck des Gebäudes isi, nicht nur
erlaubt seyn, sondern auch eine angenehme und glückliche Wirkung hervor-
bringen. Zuweilen lässt sich etwas gemeines auf eine solche Weise verbergen,
ohne damit ins Lächerliche zu fallen ; zuweilen ein und ebendalselbe Gebäude
zu einer doppelten interessanten Ansicht benutzen, ohne widernatürlich zu seyn.
Den blossen Spielen der Laune muss man aber nur seiten ein Plätzchen ver-
gönnen, und nie müssen sie ein zu grosses Ansehen von Ernst und Wichtigkeit
bekommen. Man vergisst gewöhnlich, dass eine solche Anlage keine vorüber-
gehende Erscheinung ist, und dass sie nur in demjenigen eine Täuschung her-
vorzubringen vermag, der sie zum ersienmale erblickt. Wrer damit einmal be-
kannt isi, wird nie wieder eine ähnliche Wirkung bei sich verspüren, und
der öftere Anblick eines solchen Trugspiels, wird ihm am Ende widerlich wer-
den, wenn nicht der Gegenstand ein anspruchloses und untergeordnetes Bau-
werk isi.
Am wenigsten vertrüge sich eine so spielende Verkleidung mit der Würde
der umliegenden Scene. Eine Mühle isi: an diesem Orte ein sehr natürliches
Gebäude und bedarf keines fremdartigen Aufputzes; aber ihrer äussern Form
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