Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Editor]; Pursh, Frederick [Editor]; Block, Ludwig Heinrich von [Editor]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

Page: 33
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ruiig wirklich befindet. Man betrachte das schäumende Wehr, «las einem,
natürlichen Wasserfall gleicht; oberhalb delselben den ruhigen Walserspiegel,
der die umliegenden Gegenstände verdoppelt; zur linken eine malerische Berg-
wand, von der man im Kupferstich freilich nur wenig wahrnehmen kann;
kleine mit Bäumen begränzte Rosenparthien, die sich in sanften Abhärtgen zum
Wasser herab neigen; gegenüber die grosse fellige Bergmasse, an welcher lieh
unten am leichten Stangengehäge die Strasse hinsehmiegt; im Hintergründe
eine andere Mühle, von der Wasserseiie mit Bäumen umgeben, und hinter
derselben das Seitengebirge, welches bis hinter die Mühle hervortritt, und
mit seinen lebendigen Bäumen und nackten Parthien die Landschast anmuthig
endet, ohne jedoch die hintere Oefsnung des Grundes ganz zu verschliessen»
Man betrachte den reichen Schmuck dieser Gegend, und huldige laut der Na*
tur, die unerschöpssich in ihrer Bildimgskraft iit. Seibit jede Einzelheit in der-
selben trägt die Spur einer gefühlvollen anordnenden Hand, und doch iit alles*
was Menschenhände gethan, so zufällig, so abiichtlos eine Verschönerung zu
bewirken, dass es nicht zu verkennen iit, wie willig lieh die Natur den
menschliehen Schöpfungen ansehmiegt, wenn iie ihr nicht gerade entgegen
arbeiten.
Weit interessanter jedoch als im Bilde, ist diese vortressiche Scene, wenn
man iie in der Natur selbst, und in ihrer Verbindung mit der vorigen betrach-
tet. Die schöne Bergwand, die lieh zur linken hinzieht, slicht durch ihre
schönen bewachseneii Parthien von jenem nackten Felsen vortheilhaft ab und
lehnt sich ein wenig zurück, itidess hie und da einzelne Stücke von kahlen
Felsenge wänden durch das freundliche Laubholz hervorsp ringen. Der reizende
Rasenteppich, in seinen abhängigen Richtungen und wellenartigen Formen,
durch Erlen und andres Gebüsch auf eine natürliche Art unterbrochen und in
verschiedene Parthien getheilt, dient dem Ganzen zum lieblichsten Vorgrund.
Denke man sich nun eine malerische Hinterseite der Mühle mit ihrem beleben-
den Triebwerk, und ein Kärnthher* oder Schweizerhaus , statt des jetzigen
kleinen Gebäudes, mit einigen Kühen und Ziegen auf einem der schönen lia-
senplätze, hinzu: wer würde nicht wünsehen, im Frühling und Sommer zu-
weilen hier wohnen und lieh von ernsten Geschästen erholen zu können?

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