Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Hrsg.]; Pursh, Frederick [Hrsg.]; Block, Ludwig Heinrich von [Hrsg.]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

Seite: 50
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Das schöne Schauspiel, was ringsumher unsern Augen lieh aufdrängt, zer-
fällt bei jeder Wendung in neue Landsehaftsgemälde, unter welchen viele von
malerischer Bedeutung sind, und alle durch ihre anziehende Schönheit erfreuen.
Der Hille Ernst der Natur, den wir im verlassenen Grunde erblickten, entfal-
tet lieh hier in lächelnden Reiz. Die merkwürdigen Felsenwände, die wir be*
trachteten, schieben lieh hier auf eine ungleiche Art und weit aus einander.
Dort wurden wir nur eine sparsame Bekleidung an ihnen gewahr; hier erschei-
nen iie meiit in einem reichern Gewände, bald von der Natur, bald von den
Händen der Menschen geschmückt. Die geräumige Ebene, die Iie in ihrer Mitte
geladen, dient überall zu einem glücklichen Standpunkt, die aufgehellten
Naturparthien und jede einzelne Schönheit derselben wahrzunehmen und beque-
mer zu überschauen. Ein herrlicher Teppich von grünenden Fluren breitet lieh
über Qe hin, und zieht lieh noch hie und da an den sanfteren Höhen, oft
bis an ihre Gipfel, hinauf, wodurch der wellenartige Schwung ihrer gefälligen
Formen noch grössere Anmut Ii gewinnt. Nur hie und da verschmäht ein Heiles
hervortretendes Gebirge diesen freundlichen Schmuck, oder gestattet ihn höch-
stens zu seinen Füssen, um bloss durch Kühnheit und Würde interessant und
erhaben zu seyn. Dieser angenehme Contrast bemächtiget lieh unserer Empfin-
dung wechselsweise. Das Kühne und Erhabene rührt iie tiefer und itärker;
das Sanfte und Heizende gewinnt sie auf immer. Aber so wie die verschiede-
nen Charakter der Berge einander heben und anziehend machen, so belebt auch
eine Regung unsrer Empfindung die andere, und vergnügt Iie durch wechseln-
den Genuss.
Das erste Gemälde, was dem Auge lieh darbietet, sobald man den Eisen-
hammer im Rücken hat, ist die
ANSICHT VON POTSCHAPPEL.
Die Gruppirung der Berge und die am Fusse derselben hervorschimmernden Ge-
bäude versprechen sogleich eine anmuthige Lage und reizen zu Aufsuchung
eines glücklichen Standpunkts, um es freier und ohne Dazwischenkunft der
mancherlei Bäume, die es, vom Wege gesehen, zur Hälfte verdecken, noch in
der Entfernung überschauen zu können. Dieser Standpunkt sindet lieh bald,
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