Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Editor]; Pursh, Frederick [Editor]; Block, Ludwig Heinrich von [Editor]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

Page: 74
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ist das Brennen der Steinkohlen, den Untersuchungen sachkundiger Männer
zufolge, der Gesundheit der Menschen keineswegs schädlich; denn mit den
feuchten Dünsten entbindet sich die Vitriolsäure und steigt in Dampf auf. Da
nun alle saure Salze der Fäulniss widerstehen, und die Luft unter gewissen
Umstäiiden öfters eine BeschafFenheit hat, die der Fäulniss sehr nahe kömmt
und dergleichen Wirkungen äussert, so muss auch der Steinkohlendampf in
solchen Fällen die Luft verbessern. Schulze empfiehlt daher in denjenigen
Häusern, wo hitzige Fieber und ausleckende Krankheiten einreissen, das Bren-
nen der Steinkohlen , als ein durch die Erfahrung betätigtes Mittel dagegen,
Medikus erwähnt in seiner Abhandlung vom Bau auf Steinkohlen, dass in
dem Städtchen Kyrn, welches einen Grafen von Solms gehört, ehe man da-
selbst Steinkohlen gefunden und gebrannt hätte, häufige epidemische Krankhei-
ten gewüthefc hätten, die nach der Zeit gänzlich verschwunden wären, Eben
so sagt uns Alberti, dass ßch vormals in London alle Jahre ein gewiHes*
sehr gefährliches, ansteckendes Fieber geäussert, welches mit rothen Flecken
auf der Haut, begleitet gewesen und woran viele Menschen gestorben; dass lieh
aber seit dem Brennen der Steinkohlen dieses Fieber gänzlich verlohren habe#i
Die Sache ist wichtig genug, um von einsichtsvollen Aerzten noch mehr
und genauer geprüft zu werden. Eine gleiche Untersuchung verdiente die Ei-
gensehaft des in den tiefern Kohlengruben lieh sammlenden Wassers. Vormals
hielt man das Trinken delTelben für äusserst nachtheilig: Schulze hingegen
versichert schon , es mehrmals getrunken zu haben, ohne davon eine widrige
Wirkung zu spüren; vielmehr habe er bemerkt, dass es eine gelinde abfüh-
rende Kraft besitze. Die Versuche, die er damit angestellt, überzeugten ihn
hinlänglich, dass es nebst dem Eisenvitriol zugleich gewilse Theile von einem
reinen Bergöl mit sich führe, und dass es daher zum medicinischen Gebrauche,
besonders bei Unreinigkeiten der Haut und bei Lähmung der Glieder, sowohl
ausserlich als innerlich mit Nutzen angewendet werden könne. Er behauptet
zugleich, dass ziemlich Harke Verletzungen an Händen und Füllen bei einigen
Kohlenarbeitern, ohne alle andere Mittel, in kurzer Zeit dadurch völlig ge-
heilt worden wären. Schulze versprach eine ausführliche Abhandlung darüber^
aber sie ist nie erschienen. Es wäre demnach zu wünsehen, dass ein neuerer
Arzt, der ein gegründetes Zutraun verdiente, dieses Wasser genau untersuchen
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