Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Editor]; Pursh, Frederick [Editor]; Block, Ludwig Heinrich von [Editor]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

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in meine Garten verehrt. Diese Bitte wurde reichlich erfüllt. Auch in der
Folge, als er durch diese Kur noch berühmter geworden, und oft in weit ent-
fernte Gegenden geholt ward, bat er lieh, da er selbst eine einträgliche Stelle
hatte, für seine Bemühungen immer nur junge Bäume und Pfropfreiser von
solchen Obstarten aus, die er noch nicht besass. So war-d er sleichsam der wohl
thätige Stifter des Obstbau's in hießger Gegend, und munterte durch sein Bei-
spiel zur Verbreitung desselben auf. Diese Liebe zum Obltbau hat lieh auf bei-
den Seiten des Grundes erhalten. Aber im liebenjährigen Kriege erlitt die ganze
Gegend, Dölzschen allein ausgenommen, einen ausserordentlichen Verlust an
Obstbäumen. Die kaiserliche Armee, die so lange Zeit ein Lager auf dem
Windbenre hatte, liess sie alle zu Brennholz und sür die Verschanzünden fäl-
len, Gittersee allein verlor dadurch auf 2500 Stück. Einige Zeit nach dem
Frieden hat man wieder angefangen, die Felder mit Obsibäumen zu besetzen;
die schönsten aber besinden lieh auf den Wegen und Rainen der Rossthaler
Fluren.
Dieser Martin Kiintzelmann war vermuthlich ein eben so weiser Menschen-
kenner, als er ein vortressicher Landwirth war. Seine Gabe, arme hirnkranke
Menschen von bösen Geistcrn zu befreien, bestand wahrscheinlich bloss in seiner
Klugheit, den Grund der Krankheit richtig zu fallen und he auf eine weise Art
zu behandeln, wozu ßch vielleicht noch ein einnehmendes Wesen geseilte, was
den Kranken so gleich Vertrauen ein Höss te. Diess mochte zumal dann die glück-
lichste Wirkung hervorbringen, wenn Gewissensbisse und verzweiflungsvolle
Gedanken die Teufel waren, die in dem Kranken ßch fesigesetzt hatten. In
jenen Zeiten hielt man alles für W^under, was mit der alltäglichen Vernunft,
die überdiess noch von falschen Meinungen angefüllt war, nicht sonnenklar
überemßimmte. Küntzelmann liess die Menschen, die ihn sür einen Wunder-
mann hielten, vielleicht aus guter Absicht bei ihrer Meinung, um desto nach-
drücklicher auf ihre Vernunft und auf ihre Empfindung zu wirken. Wenigßens
rührte seine Theilnehmung und Thätigkeit aus keinem Eigennutz her; und als
ein trauter Naturfreund gesiattete er vielleicht nicht einmal der Eitelkeit einen
merklichen Einsluss ^uif seine Bewegungsgründe. Nichts zog ihn siärker an, als
Obslbau und Landwirthschaft. Er erkaufte in Gittersee lieben Hufen Land, die
er urbar machte, und erbauete zwei Güther von Grund aus, die gegenwärtig

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