Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Editor]; Pursh, Frederick [Editor]; Block, Ludwig Heinrich von [Editor]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

Page: 116
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auf dem noch geräumigem Erdstück, was die rothe und die wilde Weisseritz
bei ihrem Zusammensluss bilden, nicht weit von Klein - Cosmannsdorf hin,
würde ich, zu ähnlichem Zweck, einen Tempel der Eintracht errichten. Hier
dürften lieh alle Unterthanen, die nicht mit einander in ossener Zwietracht
lebten, an einem bestimmten Tage im Frühling, vielleicht in der Phngstzeit,
versammeln, und Theil an allen Vergnügungen nehmen, die der Behtzer der
Herrschaft ihnen bestimmte. Hier würde für mancherlei Spiele gesorgt: es würde
getanzt, und Bier und Kuchen genossen; und die Gemahlin des Grundherrn
fände vielleicht ein Vergnügen darin, die Bräute darunter, die an der Hand
der Geliebten an diesem Feite erschienen, mit Geschenken nützlicher Art zu
erfreuen; der Gemahl hingegen beschenkte die Greisse beider Geschlechter, und
führte die Jubelpaare zum Tempel, und gäbe dadurch der Jugend ein Beispiel,
das Alter würdig zu ehren. — Was für glückliche Tage für Alle, selbst für
die Herrschast! Gewiss umsehlänge mit jeder Erneuerung dieses erfreulichen Festes
die Herrschast und Unterthanen ein immer sanfteres und feileres Band.
Der Belitzer, der seine reizende Herrschast gewiss mit jedem Jahre lieber
gewänne, würde bei ihrem beträchtlichem Umfang genug Veranlassung finden,
noch hie und da etwas zu erbaun und diess oder jene Plätzchen geschmackvoll
zu nützen. Vielleicht gefiele es ihm an einem schicklichen Orte einen schwei-
zerischen Maierhof zu errichten, oder vielleicht in der Gegend, aus welcher
die wilde Weisseritz schäumend herabssiesst, ein kleines Waldhaus zu bauen,
oder unten am Windberg neben dem See eine Grotte zu bilden. Diess alles
bleibt ihm noch übrig; nur hüte er sleh zu viel auf einander zu häufen, und
setze lieh Schranken, damit das Schöne, was er geschäffen, nicht wieder verliere.
Ich habe die Hauptanlagen des Thals nur im Grossen gezeichnet; es wäre
zwecklos , bei einem solchen Entwürfe von der einzelnen Ausführung äev
Nebendinge zu reden, wozu ich die Pslanzungen, Wegweiser, Brücken und
Wege, die Belebung des See's mit wildem Geflügel, die Benützung der klei-
neren Thäler, die kluge Verbindung der einzelnen Theile unter einander, und
jede kleine VerbesTerung rechne. Nur so viel muss ich, um nicht etwa miss-
verstanden zu werden, hierbei noch erinnern, dass ich keineswegs wünsehe,
den wahren Naturcharakter des Ganzen, so wie er itzt ist, vertilgt zu sehem
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