Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Editor]; Pursh, Frederick [Editor]; Block, Ludwig Heinrich von [Editor]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

Page: 128
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Neigung erzeugte, liervorgelien müsste: allein ich darf mir hier nur erlauben,
diess obenhin zu berühren. Docli eine sehr sichtbare nützliche Folge des Vergnügens
auschönerNatur muss ich erwähnen, die einleuchtend genug iß, umnicht in Zweifel
bezogen zu werden. Je mehr die °;rösseren Gütherbesitzer Geschmack an Gärten
gewinnen , desto mehr Neigung faßten lie auch zu ihren Beßtzungen, und je länger
ßein denselben verweilen, deßo vortheilhafter iß es für ße selbßund für ihre Bauern.
Schon längst hat man darüber geseufzt, dass gewöhnlich das Mark der Länder aus
allen Bezirken in denHauptßädten wieder verzehrt wird, und wenig oder gar nichts
in die Gegend zurückkehrt, aus der es gessossen. Diess hat die unnatürliche Grösse
so mancher Städte erzeugt, die gleichsam eigene Staaten bilden, und in gar man-
cherlei Rückßcht den Ländern nachtheilig werden. Ich wünsehte daher, dass die
Liebhaberei an freieren Gärten unter Gütherbeßtzern immer mehr Eingang sände,
oder dass ße vielmehr ßch entsehlößen, die schon vorhandene Gegend um ihre länd-
liche Wohnung mehr zu verschönern. Diess kann auf mancherlei Weise geschehen,
ohne der Benutzung des Grundßücks im Mindeßen zu nahe zu treten. Es würde
nur um so beßer bearbeitet werden, weil Wlesen und Felder ßch mit in diesem Plane
befänden, und manches verödete Plätzchen, das itzt von keinem Auge bemerkt wird,
zöge alsdann den Blick des Verschöneres an ßch, der eben dadurch, wenn er weise
verführe, zugleich zum Verbeßerer würde. Wie manche Pssanzung, wodurch man
nur Schönheit und Anmuth zu erzielen suchte, würde allmählich auch Vorurtheile
ersticken. Es bedarf, um eine Gegend angenehmer zu machen, nicht immer kostbarer
Häuser noch erheblicher Kunß; es bedarf nur wahren Geschmack. Eine Hütte von
Stroh, ein Waldhaus von natürlichen Stämmen, verrichtet oft den nämlichen Dienst.
Das, was die Natur giebt, an Wäldern, an Fluren, an Bächen, iß immer das Wich-
tigße. Statt fremder Gehölze, die jedoch immer auch Statt finden könnten, würden
freie Gruppen von Fruchtbäumen, mit ähnlichen Sträuchern vermischt, nicht nur die
nämliche Wirkung thun, sondern noch überdiess Nutzen gewähren. Und so könnte
faß jede Beßtzung, ohne bedeutenden Aufwand, wenn alles, was die Natur darböte,
geschmackvoll und weise benützt würde, durch manche kleine Verschönerungen
und freundliche Schattenparthien zu einem mehr oder minder reizenden Aufenthalt
werden, wenn auch nicht gerade zu einem Plauischen Grunde.
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