Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen (Band 33,1): Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Stadt Quedlinburg — Halle, 1922

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Kreis Stadt Quedlinburg.

10. Viereckiges Prisma mit jetzt abgebrochener Urne, kräftige Gesimsprofile,
am oberen Teil Rankenrelief. Inschrift: DEM ANDENKEN DER AM 21. JANUAR
1759 GEBORNEN UND AM 7. JANUAR 1831 VERSTORBENEN WITWE DES
FRIEDENSRICHTERS EMANUEL ANDREAS NORDMANN JOHANNE MARIE GEB.
DANNEHL VON IHREM TRAUERNDEN SOHNE GEWIDMET.
11. Grabmal des Joh. Aug. Ephraim. GOEZE, geb. am 28fen May 1731,
gest. am 21ten Juni 1793. Vorderwand: auf zwei kannelierten Eckpfeilern
ruhender Architrav mit Dreieckgiebel. Halbrunde tiefe Nische mit Urne. Im
Mittelfelde Inschrift: ER SUCHT’ UND FAND DEN SCHÖPFER DER NATUR
IM WURM, IM TROPFEN THAU | IN IEDEM BLÜMCHEN DER FLUR. WIE
WIRD SEIN FORSCHERGEIST SICH FREUN | IN DIESER SEELIGKEIT SO WEIT
VORAUS ZU SEIN.
12. Sargförmiger Grabstein mit Rokokoornament; auf dem geschweiften
Sargdeckel ein Kruzifix. Inschrift: Anna Sophia Linde geb. Linde geb. d.
27. August 179 . . gest. den 1. Juni 1835.
13. Ähnlich wie 12. Inschrift verwittert, nur FL in Ranken.
Siegel. Es sind zwei vorhanden, ein kleines rundes älteres von roher
Arbeit mit dem Brustbiide des Hauptheiligen mit der Umschrift: SCS WIC-
BERTVS und ein jüngeres, größeres, ebenfalls rund, mit dem Brustbilde des
Schutzpatrons, mit Stab und Buch, darüber ein Stern. Die Umschrift in schönen
Majuskeln: SIGILLVM: ECCLESIE * SANCTI * WIGBERTI.
VI. [Die Güntekenb ur g.]
Vom Wipertiklosterbezirk durch den im Norden, Osten und Süden be-
grenzenden Mühlgraben geschieden, lag wahrscheinlich diese erst 1325 erwähnte
Burg, von der aber keine Spur mehr übrig ist. Eine Nachgrabung allein könnte
über die Frage volle Klarheit schaffen. Hinweise auf die Lage sind: 1. Der
überlieferte Name Gardinenwiese, der ebensowohl auf cortina — kleiner mit
Mauern umgebener Hof, wie auf den Flurnamen gartine, gärtine, nd. gardine
= umzäuntes Landstück zurückzuführen ist1).
2. Die Stelle in den Annales Quedl. 3, S. 999: cum caeteris sanctae
Pusinnae in 'Winathusen, sanctoque Wicberto in plano juxta curtem regiam
famulantibus.
3. Stadtbuch von Quedlinburg (Q. UB. II, 247): hus Güntekenborch vor
deine lioen dore twischen der ebbedisghen borcli unde sente VTiprechte. Die
Frage, ob die Giintekenburg auf dem linken Ufer des Mühlengrabens oder auf
dem rechten lag, scheint die Urkunde von 961 (Q. UB. 4): cortem scilicet Quiti-
linga cum ecclesia in honore S. Jacobi consecrata in eodem loco, im ersteren
Sinne2) zu entscheiden. Dann würde sie aber neben dem Kloster keinen Raum
mehr gefunden haben. Das in eodem loco ist also entweder in weiterem Sinne
zu verstehen oder mit curtis Quitilinga eben nicht die Giintekenburg bezeichnet.

1) Kohlmann, Quedlinburgensia in der Festschrift zum 350. Jubiläum des Gymnasiums
1890, S. 10 ff.

2) So Kohlmann.
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