Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen (Band 33,1): Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Stadt Quedlinburg — Halle, 1922

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Kreis Stadt Quedlinburg.

die Linien zu leicht gewellten werden. Diese Technik ist beim ganzen Teppich
dieselbe, aber auf den beiden letzten Bildstreifen weniger künstlerisch1).
Der Quedlinburger Teppich ist das einzige im ganzen Abendlande bekannte
Stück; zugleich das der Ausführung nach kostbarste.

V. Königshof und Kloster St. Wiperti.
Quellen: Janicke, UB. 3, 4, 5, 13, 15; Erath a. a. 0. X, XV, XVII und bei
Fritsch I, 283 ff.
Literatur: A. zur Oberkirche und Krypta: 1. v. Mülverstedt in HZS. II,
H. 3, S. 58 ff., 2. A. Brinkmann in Denkmalpflege 1912, Nr. 5, 3. Dehio, Hand-
buch der deutschen Kunstdenkmäler V, 423/4, 4. Zeller, Die Kirchenbauten
Heinrichs I. und der Ottonen, S. 13—20, Tafel 1—3, 5. P. J. Meier, Die otton.
Bauten in Quedlinb., Ztsclir. f. Gesch. der Architektur II,. S. 240 ff. B. Zur
Krypta: 1. Banke u. Kugler, in Kuglers Kl. Schriften I, S. 594 ff., 2. Otto, Gesch.
d. roman. Baukunst in Deutschi. S. 111,114, 128,177, 3. Dohme, Gesch. d. deutschen
Baukunst S. 21/22, 4. A. Haupt, Die Baukunst der Germanen S. 7,82, 113 f., 247 ff.,
5. A. Brinkmann, Die Quedlinb. Gruftkirchen, HZS. XXIV, S. 257 ff.
Geschichte. Südwestlich von Schloß und Stadt am nördlichen Bodearm.
dem Mühlgraben, liegt das jetzt der Familie Baentsch gehörige Klostergut St. Wiperti
auf der denkwürdigen, schon in vorgeschichtlicher Zeit bewohnten Stätte des
alten Königshofes, auf dem die ruhmvollsten deutschen Herrscher Quartier
nahmen, wenn sie Ort und Stift Quedlinburg besuchten. (S. den geschichtlichen
und kunstgeschichtlichen Plan.) Es gibt keinen unter den alten Höfen bei und
in der Stadt, der an Größe einen Vergleich mit dem Königshofe aushielte, auch
nicht an natürlicher Festigkeit. Denn der Bodearm2) umfaßt den Hof im Süden,
Osten und Nordosten, während im Westen die felsige Höhe des Kapellenberges
nach Nordwesten zu abfällt, so daß nur eine kurze Strecke, die sich nordöstlich
anschließt, offen ist und künstlich verwahrt werden mußte. Wenn auch keine
künstlichen Befestigungen erhalten sind, solche auch nur einfach gewesen zu sein
brauchen, so beweist doch die Wahl des Platzes, daß ihm von vornherein eine
größere Bedeutung beigemessen wurde. Die heidnischen Sachsen hatten solche
Plätze nicht nötig; sie hatten ihre Volksburgen für Zeiten vorübergehender
Gefahr. Darum ist die Vermutung berechtigt, daß der Hof ursprünglich von
den fränkischen Königen „zur wirtschaftlichen Eroberung“ angelegt wurde3).
Auch die Mühle dicht dabei entspricht der Vorschrift Karls d. Gr. War der Hof
ursprünglich königlicher Besitz, so muß der König ihn durch Schenkung oder
Verkauf an das Kloster St: Wigberti in Hersfeld gegeben haben, denn in den
miracula St. Wigberti (gegen Mitte des 10. Jahrhunderts) heißt es: „Est locus
Quidiligonburch nominatus nunc in Saxonum regno propter regalis sedis honorem
sublimis et famosus, quondum autem ipsius congregationis utilitati subditus,
videlicet, quia Sancti Wigperti extitit proprius.“ Damit ist aber sicher nicht nur
0 Nach Lessing, der 2 Millionen Knoten herausrechnet.
2) Der schwerlich ein künstlicher Graben war, wie Grosse meint (HZS. 48, 4). Das
Terrain zwingt den Bodearm zum östlichen Ausweichen.
3) Hofers Ausführungen und Beispiele in HZS. 40, S. 118 ff, treffen hier auffallend zu
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