C. G. Boerner, Auktions-Institut, Kunst- und Buchantiquariat <Leipzig> [Editor]
Katalog der Goethe-Bibliothek des verstorbenen Freiherrn Woldemar von Biedermann sowie einer wertvollen Sammlung deutscher Literatur der klassischen und romananischen Periode, Stammbücher: Versteigerung 13 .- 15. November [1905] (Katalog Nr. 81) — Leipzig, 1905

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Stammbücher und Autographen.

61

VIII.

STAMMBÜCHER UND AUTOGRflPHEN.

635 Fautoribus et amicis

sacrum

C. F. Müchler MDCCLXXXI.

Stammbuch des Romanciers Karl Friedrich Müchler (1763—1857)
begonnen von seinem Vater Johann Georg Müchler (1724—1819).
Mit 107 Eintragungen aus den Jahren 1755—1832. quer 40. Leder-
band mit Goldschnitt. Vorzüglich erhalten.

Die Einzeichnungen teilen sich in 2 Gruppen und zwar in solche von -«literarischer od.
historischer, und solche von künstlerischer Bedeutung. Von ersteren sind, genau in
der Reihenfolge der Einzeichnung, hervorzuheben: Friedrich Wilhelm III. König
von Preußen, mit einem sehr liebenswürdigen Schreiben vom 4. August 1788, Jean
de Casanova, der Bruder des berüchtigten Abenteurers, D. Johann Gottlieb
Gleditsch, der berühmte Botaniker, Christian Garve, der Philosoph, Friedrich
Gedicke, Johann Jakob Engel, Biester, Karl Wilhelm Ramler (poetische
Widmung), Anna Louise Karschin, kleines Widmungsgedicht, dabei der hübsche
Portraitstich von Krethlow, Carl Philipp Moritz (ein Zitat aus Shakespeare), August
Hermann Niemeyer, Moses Mendelssohn:

Bestimmung des Menschen.

Nach Wahrheit forschen;

Schönheit lieben,

Gutes wollen,
das Beste thun.

Berlin den 25. April
1781

Moses Mendelssohn.

Friedrich Schütz, Carl Georg von Raumer, Klame r-S chm-idt, Friedrich
Wilhelm Gleim. (Poetische Widmung dadiert ,,Zu Berlin den 5- Dec. 1785.“)
D. Carolus Friedrich Bahrdt, u. viele andere hervorragende Persönlichkeiten,
meistens sind auch die Portraits in Kupferstichen beigefügt.

Für den außerordentlichen künstlerischen Wert dieses Stammbuches sprechen zwar schon
die auf Tafel II reproduzierten Originalzeichnungen von Graff, Chodowiecki und
Bolt, es sind aber außerdem noch einige hervorragend künstlerische Arbeiten zu ver-
zeichnen. Ein sehr hübsches Porträt Dantes in Feder und Tusche von Carl
Schumann (Nagler, Künstlerlexikon Bd. 16, p. 73) voll signiert, ein meisterhaftes
Selbstporträt Bernhard Rodes, datiert von 1781, in Medaillenform, eine alle-
gorische Darstellung von Johann Veit Schnorr von Carolsfeld, in Feder
und Tusche, J. IT. Meil, ebenfalls eine allegorische Darstellung, datiert vom
24. August 1798. Ferner Zeichnungen und kleinere Aquarelle von Frisch, C. G.
Matthes, Schade, Sahler, Study, de la Tour u. a.

Das abgebildete Selbstportrait Graffs ist eine Kreidezeichnung, Die reizende
Aquarelle Chodowieckis ist das Portrait Sidonia von Boschs. Müchlers
Portrait von Bolt ist Aquarell in frischen Farben.

Stammbücher aus dieser Zeit mit gleichwertigen künstlerischen und literarischen
Beiträgen gehören zu den größten Seltenheiten.

636 Stammbuch Wieland. 194 Blatt mit 43 Eintragungen aus den Jahren
1788/1799. Reichverzierter Lederband der Zeit.

Daß der ursprüngliche Besitzer ein männliches Mitglied der Familie Wieland war,
geht aus folgenden 4 Eintragungen hervor: Dein ... aufrichtiger Bruder Christian
Gottlieb Wieland, Burgstädt den I2ten Dec. 1789. — Ihr aufrichtiger Freund

Auctionskatalog von C. G. Boerner LXXXI: Sammlung v. Biedermann, Dresden.
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