Bötticher, Carl
Bericht über die Untersuchungen auf der Akropolis von Athen im Frühjahr 1862 — Berlin, 1863

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noch heute reicher ist als jede andere Stätte der alten Welt,
reicher wie alle neueren Sammlungen zusammengenommen.
Einmal, die Darstellungen welche im Locale wurzeln und nur
Athen eigentümlich sind, weil sie auf das Verhältnifs der
Athena als Schutzgottheit von Stadt und Land anspielen und
die Ausflüsse ihrer Macht in allen Beziehungen des gottes-
dienstlichen politischen wie privaten Lebens vor Augen stel-
len. Zum andern die Sepulcral-Denkmale, welche in der Man-
nigfaltigkeit ihres Inhaltes den Gedankenkreis der antiken Dar-
stellungen nach dieser Seite hin wohl erschöpfen möchten.
Selbst die eine Art dieser Sepulcralmale, auch wenn sie ohne
Gestaltenbildnerei und nur in tektonischen Formen gehalten
ist, die Gattung der Hydrien, hat wegen der Erfindung und
Schönheit ihres Ganzen wie Einzelnen doch ein so grofses
und belehrendes Interesse, dafs sie allein in formeller Hinsicht
als Vorbild der Kunstproduction für alle Zeiten da stehen wird.
Auf die abgufsweise Erwerbung dieser beiden Gattungen
war also vornehmlich das Augenmerk zu richten; um so mehr,
als bis jetzt nur sehr wenige Originale derselben in unzu-
reichenden Abbildungen publicirt, noch wenigere aber durch
Abgüsse mitgetheilt sind.

Unter diesen Sepnlcralwerken ist beispielweise die Stele
des Arislion zu nennen, welche bekanntlich von Pittakis vor-
dem aufgefunden wurde. Nur aus besonderer Güte gestat-
tete mir dieser freundliche Gelehrte die Abformung derselben
ausnahmsweise und als Unicum. Aus dem Darstellungskreise
der Heroisirungsopfer, der Perideipna, ist so viel der Interes-
santen gewonnen, dafs mit Hülfe der athenischen Originale
welche schon seit Jahren im Besitze der königlichen Museen
sind, dieser Darstellungskreis ergänzt und nun wohl als in
allen Nuancen vertreten angesehen werden darf. Neben
diesem ist zugleich eine Auswahl jener Krönungsformen und
Aetomata der Stelen erworben, auf deren edle und bezugvolle
Bildung die athenischen Bildhauer ein besonderes Gewicht
scheinen gelegt zu haben.

Von Altären ist der vierseitige auf der Burg mit den Ge-
stalten der vier Hauptgottheiten des Landes, der dreiseitige
an der Stoa Hadrians mit den beiden Niken und Dionysos
erworben.
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