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Bröndsted, Peter Oluf
Reisen und Untersuchungen in Griechenland: nebst der Darstellung und Erklärung vieler neu entdeckter Denkmäler griechischen Styls, und einer kritischen Übersicht aller Unternehmingen dieser Art, von Pausanias bis auf unsere Zeit (Band 1) — Paris, 1826

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https://doi.org/10.11588/diglit.680#0036
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i4

K E O S. TOPOGRAPHIE, läge der ruinen auf täs poläs.

IL

Wir kamen in tou<; Uokaiq an. Die alte Stadt hatte eine sehr angenehme
Lage, auf dem Abhänge eines allmählig sich nach dem Meere zu hinneigen-
den Berges, welcher auf zwei Seiten, nördlich und südlich, durch kleine Thä-
ler, die sich landwärts hinauf einengen, abgesondert wird. Durch den Versuch
einer topographischen Karte, die an Ort und Stelle entworfen wurde \ kann
man sich einen ziemlich genauen Begriff von ihrer Lage bilden.

Vor dem Aufgange zur Stadt, und so zu sagen an dem Thore selbst, erhebt
sich von der See her ein eigener kleiner Felsen (A) von hübscher ovaler Form,
welcher auf seiner höheren Oberfläche, von etwa zwei hundert Fuss Durchmes-
ser, ein grosses Gebäude getragen hat; dies sieht man deutlich aus den wenigen
Substructionen von Marmor, die an der Seite gegen das Stadtthor hin noch
übrig sind. Auf einer niederen Terrasse nach dem Meere zu (B) deuteten uns
grosse Marmorblöcke von regelmässiger architectonischer Form, aber ohne
Säulen, auf bestimmtere Weise einen alten Tempel an. Wir umgiengen nörd-
lich den runden Felsen, stiegen durch das Thor (C), das in der Ecke der
sich begegnenden Seiten der Stadtmauer ist, in den Bezirk der Stadt selbst,
und befanden uns sogleich vor einem grossen Haufen von Marmorblöcken,
Gliedern der Wände, des Architravs und des Fries, worunter auch ein Paar Ka-
pitaler waren, Überbleibsel eines ziemlich grossen dorischen Gebäudes, das sich
auf drei Stufen, die noch ganz erhalten sind, erhob (D). Ahnliche Trümmer
von einem gleichfalls dorischen aber grösseren Gebäude zeigten sich uns dicht
dabei auf derselben Terrasse, rechter Hand dem Heraufsteigenden (D D). Von
Säulen bemerkten wir hier nur zwei, wenig über den Schutt hervorragende
Stücke, an der hinteren Längenseite. Sie schienen uns dort an ihrem Platze

1 Siehe laß VI. Übrigens hat dieses Blatt,
aus einem a vol d'oiseau und ohne Instrumente
gemachten Entwurf entstanden, nicht den Werth
eines genauen geometrischen Plans. Der Verfasser

bezweckt bloss, eine von der Wahrheit nicht sehr
entfernte Vorstellung von der Lage dieser merk-
würdigen Ruinen mitzutheilen.
 
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