Buchner, Ernst; Jantzen, Hans [Honoree]
Das deutsche Bildnis der Spätgotik und der frühen Dürerzeit: [Hans Jantzen zum 70. Geburtstag] — Berlin, 1953

Page: 46
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31. MITTELRHEINISCHER MEISTER VON 1486, Bildnis eines Herrn von Monspruck.

Das leider unten barbarisch verkürzte
Bildnistäfelchen eines Herrn von Mon-
spruck im Frankfurter Stadtgesch. Mu-
seum (Abb. 32) ist eine herbe und klo-
bige, aber charaktervolle, farbig ener-
gische Arbeit eines kräflig zupackenden
Meisters, dessen Heimat am Mittelrhein
angenommen werden darf. Späterem
Zeitgeschmack folgend hat man dieSteil-
tafel unten um einen Streifen von etwa
5 cm verkürzt, so daß von der rechten
Hand, die mit spitzen Fingern eine
Blume hält, nur noch die Spitzen von
Daumen und Zeigefinger zu sehen sind.
Wohl mag auch die spätgotisch herbe
Hand einem verweichlichten Geschmack
nicht konveniert haben. Auf kräftigen
Schultern sitzt ein derber, grobknochiger
Schädel, über den die schwarze, topf-
artige Kappe gestiilpt ist. Gelbbraune,
wenig gepflegte Haare rahmen das
weißlichrosa Antlitz. Schlichter Hals-
ausschnitt. Schwarzes Gewand. Ener-
gisch blickende Augen, grobe, feste Nase, vorspringtnde Backenknochen, ungut geschlossener, brei-
ter Mund, dominierendes Kinn — wahrlich keine Schönheit, aber ein Mann. Der Maler fiihrt einen
derbenPinsel —aber er trifft. AlsCharakter-Schilderer iiberragt er viele seiner formal gepflegteren, dem
spätgotischen Pli huldigenden Zunftgenossen. Um das Raumproblem hat er sich nicht viel gekümmert.
Hart springt die ungeschickt verkürzte, die Bildwirkung aktivierende Seitenwand mit der hellen Laibung
der Maueröffnung vor. Die Senkrechten der Mauer und des tiefroten, olivgrün gesäumten Wandteppichs,
dessen Lagefalten wie bei dem Hintergrundstuch des „Heinrich zum Jungen“-Bildnisses sichtbar werden,
unterstreichen die charaktervollen Unregelmäßigkeiten des Kopfes. Ganz locker und spritzig ist die flache
Hügellandschaft mit den drei Bäumchen und dem von Fußgängern belebten Weg gemalt. Holst, der die
Tafel veröffentlicht hat, denkt an einen oberdeutschen, wohl südlich der Donau tätigen, provinziellen Mei-
ster. Wohl wegendes rauhenFormdialektes. Jedochfügt sich die Tafel besser in die mittelrheinische Kunst-
zone ein, wo das Bildnis mit Zimmerstaffage und Landschaftsblick bevorzugt wurde. Dem Werkstattsitz
des Meisters werden wir erst näher kommen, wenn der Dargestellte auf Grund des Wappens (Textabb. 5)
lokalisiert ist. Die auf eine alte Beischrift zurückgehende Datierung 1486 harmoniert mit der Stilaussage.

32. MEISTER W B, Bildnis einer Frau.

1925 tauchte im Münchner Handel (Julius Böhler) ein rassiges Frauenbildnis (Abb. 37) auf, das ich in
meinen Studien zur mittelrheinischen Malerei veröffentlicht und für den Meister W B in Anspruch genom-

5. Mittelrheiniscber Meister von 1486, Wappen eines Herrn
von Monspruck. Frankfurt a. M., Stadtgesch. Museurn

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