Büttner, Nils
Die Erfindung der Landschaft: Kosmographie und Landschaftskunst im Zeitalter Bruegels — Göttingen, 2000

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Einleitung

Pieter Bruegel d.Ä. (um 1525-1569) war beinahe drei Jahre in Italien gewesen,
bevor er 1554 in seine Heimatstadt Antwerpen zurückkehrte. Sichtbares Er-
gebnis dieser Reise und zugleich die ersten erhaltenen Zeugnisse seiner Kunst
sind etliche Landschaftszeichnungen. Kein Gemälde ist aus dieser frühen Zeit
erhalten, keine Skizze nach dem lebenden Modell, keine Zeichnung nach den
Meisterwerken der Antike. Einzig gezeichnete Landschaften dokumentieren den
Beginn seiner Karriere. Mit größter Selbstverständlichkeit wird die Tatsache,
daß sein Frühwerk auf Landschaftszeichnungen beschränkt blieb, in beinahe
jeder Bruegel-Biographie mitgeteilt, ohne daß nach den Gründen für diese Spe-
zialisierung gefragt würde. Führt man sich jedoch die Mühen vor Augen, mit
denen eine Reise im 16. Jahrhundert verbunden war, stellt sich die Frage, ob das
Zeichnen von Landschaften für einen Künstler tatsächlich Grund genug sein
konnte, sich auf den langen und gefahrvollen Weg nach Italien zu machen.

Zumindest steht fest, daß es in Antwerpen vor und neben Bruegel auch an-
dere Künstler gab, die Landschaftsdarstellungen zu ihrem Spezialgebiet gemacht
hatten. Nie zuvor wurden mehr Landschaften gemalt, gezeichnet oder in ge-
druckter Form verbreitet als in Antwerpen im Zeitalter Bruegels. Erstmals wurde
hier die Landschaft von einem breiten Publikum als bildwürdiger Gegenstand
empfunden. Hier steht man vor dem Problem, daß nicht jedes Bild, das man
heute als »Landschaft« klassifizieren wird, auch von Bruegels Zeitgenossen so
bezeichnet oder gesehen wurde. Der heute allgemein übliche Gattungsbegriff
war um die Mitte des 16. Jahrhunderts noch nicht Allgemeingut geworden. In
jener Zeit fand die niederländische Sprache auch erstmals einen Namen für diese
neue Art von Bildern.

»Es ist mehr als Zeit, zum zweiten Teil [des Diskurses] voranzuschreiten, und
zwar zur >Lanscape< oder >Landscape< (Eine Kunst so neu in England und so
spät bei uns angelangt, daß die Sprache in ganz England keinen Namen finden
kann, sondern nur einen entlehnten, und zwar von Leuten, die nicht gerade
große Leihgeber sind, es sei denn auf der Basis reichlicher Sicherheit, die Hollän-
der). Vielleicht wollen sie ihr eigenes Kind so nennen. Denn um die Wahrheit
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