Caetani Lovatelli, Ersilia
Antike Denkmäler und Gebräuche — Leipzig, 1896

Page: 35
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/caetani1896/0039
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Visionen und Erscheinungen.

Sunt aliquid Manes, letum non
omnia finit.

jjn das fernste Alterthum hinauf reicht der
Glaube an ein geheimnissvolles Band zwischen
den Lebenden und den Todten, an einen
wohlthätigen oder schlimmen Einfluss der Letzteren
auf die Ersteren und demgemäss an Erscheinungen
von Geistern und an übernatürliche Gesichte aus dem
Jenseits.

Jeder kennt gewiss die furchtbare Scene, in der
die Hexe von Endor auf Verlangen des Königs Saul
aus dem Schattenreiche den Geist des Propheten
Samuel heraufbeschwört, der die rastlosen Fragen des
betretenen Königs mit der Ankündigung jähen Sturzes
und Todes beantwortet. „Morgen, sagt er, wirst Du
sammt Deinen Söhnen unwiderruflich bei mir in der
Unterwelt sein."

Das 11. Buch der Odyssee ist ganz mit den Dar-
stellungen des Todtenopfers, das Odysseus zum Zwecke
der Heraufbeschwörung der Seelen der Verstorbenen
darbringt und mit dem allmählichen Erscheinen der-
selben vor dem griechischen Helden ausgefüllt. Ebenso
lesen wir in der „Pharsalia" des Lucanus, wie Sextus,

3*
loading ...