Caetani Lovatelli, Ersilia
Antike Denkmäler und Gebräuche — Leipzig, 1896

Page: 50
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Das Schaukelspiel
bei den Griechen und Römern.

jjer Ursprung der bekannten Unterhaltung des
Schaukeins ist der Sage nach in den heiligen
Gebräuchen des Bacchus- oder Dionysus-
Cultus zu suchen, bei dem sich unter den verschie-
denen Arten der Reinigung auch die durch die Luft
vollbrachte befand. Die Schaukel war wie die Oscillen,
d. h. kleine Masken, die, an Bäumen aufgehängt und
vom Winde bewegt, als frucht- und heilbringend für
die umliegenden Felder galten, eine besondere Gattung
dieser Reinigungsgebräuche.

Die Sage erzählte, dass Dionysus, der bei Icarius
in Attica als Gast eingekehrt und bewirthet worden
war, jenen aus Dankbarbeit für die freundliche Auf-
nahme und zur Belohnung die Kunst des Weinbaues
gelehrt habe. Als jedoch Icarius die Hirten das neue
Getränk kosten Hess, glaubten diese, die die heftigen
Wirkungen desselben nicht kannten, sich vergiftet und
tödteten ihn. Seine Tochter Erigone irrte lange umher,
den todten Vater zu suchen, bis sie den Körper mit
Hülfe des treuen Hündchens Mera fand, das ihn eifer-
süchtig bewachte. Aus Schmerz hängte sie sich an
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