Caetani Lovatelli, Ersilia
Antike Denkmäler und Gebräuche — Leipzig, 1896

Page: 85
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Der Cultus des Wassers und seine
abergläubischen Gebräuche.

as Beste ist das" Wasser," rief Pindar, und
das ganze Alterthum widmete dem Wasser
einen besonderen Cult und ehrte es in
seinen vielfachen verschiedenen Wirkungen.

Die Philosophie schrieb noch, als sie sich bereits,
von der religiösen Idee und ihren Symbolen gesondert
hatte, dem Wasser gewissermassen göttliche Bedeutung
und Eigenschaften zu. Es galt bei den Griechen wie
bei den anderen alten Völkern als das eigentlich
zeugende Element und somit als der Ursprung nicht
nur des Denkens, sondern geradezu des Seins, als
Werkzeug und Dolmetscher der Offenbarung.

Die ersten und ältesten Dichter nannten Oceanus
und Tethys die Schöpfer des Universums und Hessen
die Götter bei den Wellen des Styx schwören. Homer
erklärte den Oceanus für den Vater der Götter, und
Thaies, der seine Kosmogonie auf ähnliche Vorstel-
lungen gründete, stellte die Welt als die Entwickelung
und Fortbildung eines Keimes dar, dessen Grund-
bestandtheil das Wasser bildete, während Hippo der
Meinung war, dass selbst die Seele diesem Element
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