Caetani Lovatelli, Ersilia
Antike Denkmäler und Gebräuche — Leipzig, 1896

Page: 108
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vor gewissen Krankheiten zu bewahren, bieten den
handgreiflichen Beweis für solchen Aberglauben bei
den Völkern jener Länder, aus denen sie sich vielleicht
im grauen Alterthum über den ganzen Erdkreis ver-
breitet haben.

In Assyrien schliesslich wurde nicht allein mit
Wasser, sondern auch noch vermittelst anderer Flüssig-
keiten Magie getrieben. Es ist nicht unwahrscheinlich,
dass diese Formen des Wunderglaubens später auf die
Rabbiner übergingen, wie man aus einigen Andeutungen
auf Uebungen der Wasserdeuterei schliessen könnte,
die neben einem Zaubertrank aus Reiz- und Be-
täubungsmitteln im Talmud erwähnt werden. — —

Noch lange könnte ich von anderen Brunnen und
Wunderwässem plaudern, wenn mich die Einförmigkeit
des Gegenstandes und die Furcht, meine Leser zu er-
müden, nicht daran hinderte. So will ich schliessen,
nicht ohne noch den fabelhaften Fluss Ameles erwähnt
zu haben, den Plato im Jenseits strömen lässt, und
dessen Name „sorgenlos" bedeutet, weil sein Wasser
die wunderbare Gabe besass, den Seelen, welche reich-
lich daraus tranken, Ruhe und Vergessenheit alles
Leides zu bringen. O, wenn ein solcher Strom auch
hienieden flösse!

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