Curtius, Ernst [Editor]
Die Ausgrabungen zu Olympia (Band 4): Übersicht der Arbeiten und Funde vom Winter und Frühjahr 1878-1879 — Berlin, 1880

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V. SITUATIONS-PLAN.

Der auf Tafel XXX—XXXT dargestellte Situations-Plan ist
in demselben Maassstabc i: 1000 und in gleicher Behandl-
ung gezeichnet worden, (die ausgegrabenen Terrains weiss

gelassen, die »och anstehenden hellbraun gefärbt), wie der
des vorigen Jahres im Bande III. Ha auch der Umfang
des Ausgrnbungsfcldes unverändert geblieben ist, so Ist es
leicht, durch Vergleichung der beiden Pläne vom i. Juni tS7S
und vom t. Juni 1S70 den erzielten Fortschritt der Arbeiten
und die Haupt-Resultate, soweit sie der Topographie an-

Zunächst gclan
rfolgung der We.

die Südwestcckc .1er Altls dur
er nach Süden hin sieher zu fixir
n Ausgangspunkt für weitere Um.

Ebci

nd 1

die darauf eingeleitete Erforschung der Begrenzung im Osten.
Der früher hier aufgetauchte und als Altis-Ostmaucr bezeich-
nete Mauerzug wurde bald als das Fundament der Vorder-
front einer sehr grossen zweischiffigen Säulenhalle erkannt,
weiche, auf drei Stufen stehend, mit ihrer ganzen Länge
nach Westen und nach dem Hauptplatze der Altis hin sieh
öffnete. Es war unmöglich, auf Grund leicht zu kombiniren-
der Angaben bei Xcnophon, Pausanias und l.ucia» in dieser
stattlichen Baunnlage die Stoa der Kcho — auch wegen
aher Wandbilder Stoa Poikilc genannt — zu verkennen.
Im Norden sticss die Halle an den noch mit Zancs-Basen
besetzten Vorplatz des geheimen Stadion-Einganges, während
Ihre Südmauer mit der Südilucht des Zeus-Tempels ab-
schloss. Auffallend ist die seltene Grosse; bei einer Länge
von nSm und einer Tiefe von um konnten in derselben
(unter Benutzung der Stufen und bei massig gedrängter
Stellung) etwa ;ooo Menschen Platz finden und alles, was
auf dem Platze vor dem grossen Altare und dem Zeus-
Tempel sich abspielte, gut übersehen. Das trotz aller
Zerstörung noch immer sieher erkennbare Bauprogramm
hat also seiner Zeil eine Seliau- und Wandelhalle in
nächster Nähe des Festplatzes verlangt, geräumig genug,
um viele Mensehen aufzunehmen und dabei bezüglich der

Himmelsrichtung so belegen, dass seihst im Hochsommer

erst in den Naehmittagsstunden die Sonne lästig wer-
den konnte. Diesen Forderungen entsprechen die Grösse,
die Orientirung, die bevorzugte Lage und die daraus
wieder folgende reiche Besetzung der ganzen Front mit
zahlreichen Wcihegcschonkcn. Die architektonische Stil-
fassung konnte erst im Laufe der (jetzigen) fünf-
ten Arbeitsperiode dahin entschieden werden, dass die
Facade dorisch, das Innere ionisch gestaltet war. Leider
war es nicht mehr möglich, die wichtige Frage, oh die
Hintcrwand den ostlichen Absehluss der Altis gebildet
habe oder nicht, zur definitiven Entscheidung zu bringen.
Sollte es — wie wahrscheinlich - nicht der Fall gewesen
sein, so wird die Ostmauer etwas mehr nach Osten, wo
bereits in ca. .0 in Entfernung passende Fundamente in
paralleler Richtung an zwei Funkten hervorgetreten sind,
gesucht werden müssen. In jedem Falle ist aber mit der
Wiederauffmduug und EreMegimg der Eehohalle ein wich-
tiger Punkt in der Topographie Olympia's dauernd erledigt
worden.

Noch wichtiger in solcher Beziehung war das Resultat,
welches ein neuer Ausscngraben lieferte, der vom Oslendc
des geheimen Stadion-Einganges nach Südosten zum alten
Flussbctte des Alplieios gezogen wurde. Fr ergab die un-
erwartete Thatsachc, daS3 das Stadion nicht, wie man aus
lokalen und anderen Gründen hatte verimithcn dürfen, in
nordsfidlicher, sondern in westösllichcr Richtung mit einer
kleinen Ablenkung nach Norden hin angelegt gewesen ist.
Mit verhältnissmassig geringem Zeitaufwandc wurde es mög-
lich, nicht nur die lieble Breite jenes hoehberühmten Wett-
laufplatzes und einen Theil der wahrscheinlich zu den Ab-
lau Issehranken gehörigen Fundamente freizulegen, sondern
auch werthvolle Beobachtungen über die Wallstruktür sdbst
zu sammeln, Die unerläßliche Untersuchung des entgegen-
gesetzten Endes, des sogenannte.! Rundhauptes, rnussto an-
derer dringender Arbeiten halber, für das Programm der

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